Bretagne (2018)

Im Norden

Smaragdküste und Cote de Granit Rose

Montag, 10. bis Freitag, 14.09.2018

Besichtigung der Altstadt von Saint Malo

100 m von unserem Stellplatz entfernt ist die Endstation der Buslinie 8, die direkt zur Altstadt von Saint Malo (Intra Muros) fährt. In 20 Minuten ist man da. Die Altstadt ist umgeben von einer umfassenden begehbaren Stadtmauer. Im August 1944 wurde die Stadt durch Bombardements der Alliierten zu 85% zerstört, lediglich die Stadtmauer ist in Gänze heile geblieben.

 

Nach dem Krieg hat man begonnen die Gebäude anhand von alten Plänen und Fotografien wieder auf zu bauen. Dies ist ganz gut gelungen auch wenn man aus meiner Sicht deutlich erkennen kann, dass die Gebäude nicht mehr original sind. Ich finde auch, dass sie viel zu ähnlich aussehen. Eines habe ich entdeckt, bei dem ich vermuten würde, dass es noch weitgehend ursprünglich ist.

 

Ich bin zügig auf der gesamten Mauer und dann noch einen Teil in den Straßen gelaufen. Zwischendurch nehme ich mir noch die Zeit für eine Pause in einer Boulangerie mit einem belegtem Baguette und einem Cafe au lait. Nach 1,5 Stunden bin ich durch und fahre wieder mit dem Bus zurück zu Gaby und den Hunden.

Während meines Schnelldurchlaufs durch Saint Malo genießt Gaby mit den Hunden am Wohnmobil die Sonne und relaxt. Da ich nun wesentlich früher als geplant zurück gekommen bin, schlage ich ihr vor nicht noch eine Nacht hier zu bleiben sondern  weiter zu fahren. Schnell noch mal entsorgt und um 15:00 geht es los. So machen es auch viele Franzosen und Italiener. Die fahren nicht am Vormittag weiter sondern genießen noch den ganzen Tag auf dem Platz oder in der Stadt und brechen erst am Nachmittag auf.

 

Ich fahre extra noch durch Saint Malo am Hafen und an der Altstadt entlang, damit auch Gaby einen Eindruck von der Stadt bekommt und meine Erzählungen und Fotos einordnen kann.

Orientierungslos durch die Gegend

Südlich von Dinard ist plötzlich eine Straße gesperrt. Wir fahren zurück, dann offensichtlich in die falsche Richtung, dann wieder zurück bis wir völlig die Orientierung verlieren. Das Navi ist dabei keine große Hilfe, es kennt die Straßensperrung nicht und will uns immer wieder dahin zurück schicken.

 

Das Anhalten auf manchen Straßen ist nicht so ohne weiteres möglich, wenn keine Ausweichstellen vorhanden sind. Irgendwann habe ich genug von dem Dilemma und stoppe kurzerhand in einer Einfahrt. Ich nehme mein iPad zu Hilfe und lass mir von Google Maps anzeigen, wo wir überhaupt sind. Großes Erstaunen, wir sind an einer völlig anderen Gegend als angenommen. Wir fahren erstmal nach Google Maps weiter und ignorieren völlig die Anweisungen der Navi-Tante (Bitte umkehren...).

 

Als wir endlich wieder auf einer Straße sind, die der ursprünglichen Route entspricht, bleiben wir stehen und überlegen uns, wie wir weiter fahren. Wir haben so viel Zeit verloren, dass wir den Plan, das Cap Frehel zu besichtigen, aufgeben und auf einem möglichst direkten Weg einen Stellplatz ansteuern. Wir landen schließlich auf einem kleinen Platz eines Geflügelbauern kurz vor Planguenoual. Dort ist noch ein Platz frei, wir holen die Liegestühle raus und genießen noch eine halbe Stunde die Abendsonne.

Am Dienstag geht weiter an der Küste in Richtung Westen, z.T. auf sehr engen Sträßchen wie der Route de la Corniche bei Lanloup. Wir landen in einer kleinen Bucht Ort Brehec sich einige Meeresfrüchte-Restaurants befinden. Gerne wären wir eingekehrt, aber leider können wir direkt vor Ort nicht parken sondern nur weiter weg auf einem großen Parkplatz. Ich stelle das Wohnmobil provisorisch ab ohne andere Autofahrer zu behindern. Während ich zu Fuß unterwegs bin einen Parkplatz zu suchen, wird Gaby zweimal von anderen Autofahrern auf Übelste beschimpft. Danach vergeht uns die Lust auf einen Restaurantbesuch und wir fahren weiter.

 

Das nächste Ziel ist L'Arcouest mit der davorliegenden Insel Ile de Bréhat. Das Meer hat sich weitestgehend zurückgezogen, es gibt einen Parkplatz für 600 PKWs und Horden von Besuchern tummeln rum. Dazu haben wir keine Lust, ich bleib kurz an der Straße stehen, schieß ein paar Fotos, drehe um und fahre weg.

 

Dann erleben wir mal was Positives an diesem Tag. Auf der Rückfahrt von L'Arcouest gibt es einen kleinen Rastplatz mit einem Womo-Zeichen. Ich finde dort eine Ver- und Entsorgungsstation an der ich kostenlos mein Schmutzwasser loswerde und Trinkwasser bunkern kann.

 

In dem Ort

Danach geht es die Küstenlinie weiter bis nach Tréguier. Dort gibt es einen kostenlosen Stellplatz unter Bäumen direkt am Fluß Le Guindy. Bei Ebbe ist er fast leer und bei Flut reicht das Wasser bis an die Graskante.

 

Später gehe ich mit den Hunden die 200 Meter steil rauf in die Stadt bis zum Marktplatz, wo die imposante Basilika St. Trugdual steht.

Am Mittwoch nieselt es den ganzen Tag. Es ist Markttag in Tréguier und wir gehen ohne Hunde in die Stadt. Der Markt erstreckt sich vom Hafen über eine Gasse hinauf bis zur Basilika. Wir gehen gemütlich an den Ständen vorbei und bei einem Wurststand werden Scheiben verschiedener Sorten zum Probieren dargeboten. Die schmecken so lecker, dass wir gleich ein Paket mit 3 Würsten für €10 erstehen.

Dann kommen wir an einer Crêperie in einem alten Gebäude vorbei. Die spricht uns an und wir gehen rein. Es ist ein altes Wohnhaus, das von einem älteren Ehepaar umgebaut und betrieben wird. Es ist sehr schön eingerichtet und es gibt vieles zu entdecken. Wir sind amüsiert als der Wirt die Eingangstür abschließt, nachdem an jedem Tisch ein Gast sitzt. Es sind zwar noch viele Stühle frei, aber die Wirtsleute möchten sich nur noch um die aktuellen Gäste kümmern und keinen neuen Gast mehr reinlassen.

 

Den Rest des Tages verbringen wir im Wohnmobil, Gaby liest ihr aktuelles Buch zu Ende und ich kümmere mich um die Fortführung dieses Reiseberichts.

Nachdem es die Nacht noch geregnet hatte, sollte es ab Donnerstag schöner und sonnig werden. Wir beschließen weiter zu fahren und uns das berühmte Haus zwischen den beiden Felsen in Le Gouffre anzusehen. Im Reiseführer steht, dass es dort oft überlaufen ist und so stellen wir den Wecker auf 7 Uhr.

 

Was wir nicht bedacht hatten, ist die Tatsache, dass wir ca. 1.000 Kilometer westlich von zu Hause befinden und es um diese Zeit hier noch stockdunkel ist. Da wollen wir doch lieber noch eine 3/4 Stunde weiter schlafen. Wir sind dann um 9 Uhr nach dem Tanken, entsorgen und einem schnellem Einkauf auf dem Weg zu unseren heutigen Zwischenziel. Unterwegs kommen wir an der schiefen Kirche Saint-Gonéry in Plourescant vorbei. Die ist nicht von alleine schiefgeworden sondern Kirche und Turm wurden schief gebaut. Zufall oder Absicht? Wer weiß das schon. Sehr beeindruckend. Kurz danach bleiben wir noch auf einem Parkplatz stehen, um uns hautnah die Küste zu erleben.

La Maison de Gouffre

Dann sind wir endlich da bei dem meisten fotografiertem Motiv der Bretagne, dem Haus zwischen den 2 Felsen. Es ist ein bewohntes Haus und wir können jemanden hinter der geöffneten Eingangstüre erkennen. Vor dem Haus ein kleiner See, dahinter und daneben klatscht die Gischt an die Felsen. Es ist sehr beeidruckend, zumal kaum andere Besucher anwesend sind.

 

Danach fahren wir auf kleinen Straßen weiter, kommen an Menhiren vorbei und oberhalb von Buguérès sehe ich plötzlich eine sehr gute Stelle für ein Foto der bretonischen Küste. Ich parke ganz am Rand der Straße, um niemanden zu behindern. Hinter mir bleibt eine Einheimische mit ihrem Mercedes Coupé stehen und will auch nach meinem Winken partout nicht vorbei fahren und ruft mir irgendwas zu. Erst als ich mit der Kamera aussteige und keine Anstalten mache weiter zu fahren, überholt sie mich nicht ohne mir alle möglichen schlechten Wünsche zuzubrüllen. Das ist schon die 3. schlechte Erfahrung mit Einheimischen und ich frage mich, ob alle Bretonen so unfreundlich zu Reisenden sind oder ob wir nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren .

 

Das Foto, das ich an dieser Stelle geschossen habe, finde ich so schön, dass es das Titelbild dieser Reise wurde.

Nachdem uns die beiden Stellplätze auf der Ile Grande nicht gefallen haben, fahren wir 5 km zurück zum Platz am Parc Randôme kurz vor Pleumeur Bodou. Der gefällt uns, ist nur halb besetzt und direkt vor unserer Aufbautür ist eine kleine Wiese, wo wir anschließend grillen. Aber was ist die große Kugel zwischen den Bäumen?

Auf Erforschung der Umgebung

Am Freitag bleiben wir noch auf dem Platz im Parc dü Randôme. Aber was beinhaltet dieser Park?

 

Zum einen wurde direkt nebenan ein gallisches Dorf aufgebaut mit vielen Attraktionen für Kinder. Ideal für einen Familienausflug. Aufgebaut im Jahr 1984 und unterhalten wird es von einem Verein, der mit den Einnahmen Projekte in Afrika unterstützt.

 

Dann gibt es noch ein Planetarium, das in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert.

 

Und zu guter Letzt ist hier noch die Cité des Télécoms, eine Ausstellung über alle Facetten der Telekommunikation, zu der auch die 64 Meter Durchmesser große weiße Kugel gehört in deren Inneren sich eine Horn-Antenne mit einem Gewicht von 340 Tonnen befindet. Mit ihr erfolgte am 11. Juli 1962 die erste TV-Übertragung aus den USA nach Europa. Dies war die Geburtsstunde der weltweiten Satelliten-Übertragungen.

Morgen verlassen wir den Norden und fahren in den Nordwesten der Bretagne, ins Departement Finistère. Der Name stammt von den Römern, „Finis Terrae“ und bedeutet „Ende der Welt“.