Bretagne (2018)

Im Südwesten - Finistére Süd

Mittwoch, 19. bis Montag, 24.09.2018

Menhire, Bunker und eine wilde Küste

Am Mittwoch fahren wir weiter aber erstmal bleiben wir in der näheren Umgebung von Camaret-sur-Mer. Den ersten Stopp machen wir schon direkt vor dem Eingang, denn dort befinden sich die Menhirs de Lagatjar. Das sind Steinreihen von Menhiren, die ursprünglich aus 400 Menhiren bestanden. Viele der umgestürzten Steine aus weißem Quarzit wurden im Jahr 1928 wieder aufgerichtet, so dass die Reihen heute aus 72 Menhiren bestehen.

 

Wir wollen an die Pointe de Pen-Hir, aber bereits nach einem Kilometer stoppen wir, da ist das Museum Atlantikschlacht. Es ist eine beeindruckende Bunkeranlage, die man nur von außen betrachten kann. Auf dem Vorplatz stehen mehrere Anker von Schiffen, die während des 2. Weltkriegs von der deutschen Marine versenkt wurden.

Wiederum einen Kilometer weiter steht am Kap Pointe de Pen-Hir ein Monument für die Bretonen des befreiten Frankreichs. Das Denkmal steht nicht allzu weit von den Klippen entfernt und wenn man davor steht weht so ein heftiger Wind, dass man acht geben muss nicht die Brille zu verlieren.

 

Nach den Besichtigungen fahren wir an den Hafen von Cameret-sur-Mer um dort essen zu gehen. Wir bestellen beide die Fischplatte des Tages, einen Rochen, sehr lecker.

Es ist mittlerweile 15:00 geworden und jetzt endlich geht die Weiterreise los. Wir fahren in den Hauptort der Halbinsel, Crozon, und dann an der Küste entlang nach Sainte-Anne de Palud. Dort gibt es am Strand im Ortsteil Kervel einen kleinen kostenlosen Stellplatz. Es ist Ebbe und im Gegensatz zu anderen Gegenden im Norden der Bretagne kommen nicht jede Menge Steine und Felsen zum Vorschein, sondern nur Sand. Ein immens breiter Strand mit kaum Menschen. Wir machen einen Spaziergang mit den Hunden. Cheevi rast überglücklich auf dem Strand entlang. Später am Abend sitzen wir im Wohnmobil und hören dem Wellenrauschen zu.

Am Donnerstag wollen wir die Südküste der Bretagne erreichen. Die erste Stadt, die wir erreichen, ist Duarnenez. Es gibt hier 3 Häfen und in einem soll es ein Museum mit 40 historischen Schiffen geben. Gegen Eintritt kann man einige auch von innen besichtigen. Wir haben etwas Mühe durch die engen Gassen der Innenstadt dorthin zu gelangen. Wir parken in der Nähe und gehen zu Fuß zu dem Museum und sind gleich mal enttäuscht, denn wir entdecken nur ein paar Schiffe, auf jeden Fall keine 40. Auf der anderen Straßenseite sehen wir ein Geschäft der Conserverie Courtin, die hauptsächlich Fischdosen herstellt. Wir gehen rein und sind begeistert von der großen Vielfalt und der bunten Schönheit der Dosen. Leider haben wir kein Geld dabei, aber ich darf schon vorweg nehmen, dass wir am nächsten Tag in Quimper auch ein solches Geschäft finden und reichlich einkaufen.

 

Raus aus Duarnenez wollen wir an der Künste entlang fahren. Das ist gar nicht so einfach, wenn wieder einmal eine Route barrée uns den Weg versperrt. Außerdem ist der richtige Weg an der Küste nicht immer leicht zu finden.

 

Kurz vor der Pointe du Raz sehen wir zwei alte restaurierte Mühlen. Wir durchqueren Audierne und machen eine Mittagspause direkt am Strand und genießen die Aussicht auf das aufgewühlte Meer.

 

Unser Übernachtungsplatz ist ein ausgewiesener freier Stellplatz am Strand von Lesconil, der gut besucht ist. Am Abend beginnt es zu stürmen und steigert sich während der ganzen Nacht. Da alle Luken gut verschlossen sind, fühlen wir uns trotz der heftligen Wackler sehr sicher. Am nächsten Morgen ist der Spuk vorbei.

Am Freitag machen wir unseren ersten gemeinsamen Stadtbesuch. Gemeinsam deshalb, weil Gaby vor 2 Wochen bei der Besichtigung von Saint-Malo nicht dabei war. Wir fahren nach Quimper, der Hauptstadt des Departements Finistere. Gestern haben wir von der mitgebrachten Festplatte eine Ausgabe der WDR-Sendung Wunderschön! gesehen, um uns Tipps für den Besuch von Quimper und den Süden der Bretagne zu holen.

 

An allen Einfallstraßen nach Quimper gibt es Verbote für LKWs mit einem Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen über andere Wege in die Stadt zu kommen, fahren wir einfach rein und finden einen für unser großes Fahrzeug geeigneten Parkplatz sehr nahe an der Altstadt und der Kathedrale. Später fällt uns ein, dass Wohnmobile in Frankreich im Gegensatz zu Deutschland nicht als LKW gelten und die Zufahrt in die Stadt für uns auf jedenfall erlaubt war.

 

Gleich am Anfang sehen wir üppige Blumendekorationen auf dem Geländer eines Seitenarms der Odet, der durch die Stadt fließt. Dann kommen wir an der Markhalle vorbei, gehen rein und bestaunen das Frischfischangebot verschiedener Händler. Danach schlendern wir weiter durch die Altstadtgassen mit den vielen Geschäften in Richtung Kathedrale. Witzig sind die kleinen Holzfiguren an vielen alten Fachwerkhäusern.

Wir kommen zur Kathedrale, gehen hinein und sind sehr angetan von der Vielzahl und der Schönheit der Fensterbilder.

Nach dem Besuch der Kathedrale sehen wir uns die Geschäfte an dem Platz der Kathedrale an. Wir finden dort zwei Geschäfte von Dosenherstellern. Man kann dort auch verschiedene Produkte probieren, Fischsuppe, Sardinen, Makrelen, Kekse, alles aus eigener Herstellung. Auch das Design der Dosen oder Überdosen spricht uns sehr an, alles so wie früher. Wir können nicht widerstehen und kaufen in beiden Geschäften ein.

 

Auf dem Platz gibt es das Cafe Le Finistere, mit einer großen Terrasse, die gut besucht ist. Ein schöner Platz eine Pause einzulegen. Wir trinken erst ein Bier aber später bekommen wir doch Lust was zu essen. Die Teller an den Nebentischen haben uns dazu animiert. An so einem Hotspot essen wir normalerweise nicht, da das Preis/Leistungsverhältnis meistens nicht stimmt. Aber hier werden wir gänzlich überrascht. Wir bestellen Thunfischsteak in einer Sauce aus Koriander, Tomate, Zitrone, Schalotte, Knoblauch, Öl und biologischen Apfelstreifen und ein Filet Mignon in einer gesalzenen Caramelssauce, beide Gerichte mit Pommes frittes schmecken ausgezeichnet. Die Bewertungen auf Tripadvisor sind sehr unterschiedlich, für uns sind 5 Sterne fällig.

Alle 10 Minuten fährt ein kleiner Elektrobus über den Platz und durch die Fußgängerzone. Wie ich später feststelle ist dies eine Busverbindung zwischen 5 wichtigen Stationen innerhalb der Stadt. Der Bus fährt an Werktagen von 7:30 und 19:30 und dies völlig kostenlos für die Bürger. Vorbildlich, da könnten sich viele Stadtverwaltungen in Deutschland mal eine Scheibe abschneiden.

 

Nach dem Essen gehen wir durch kleine Gassen zurück zu unserem Wohnmobil, das durch seine Größe 4 PKW-Parkplätze belegte. Für das Parken über 3 Stunden haben wir am Automaten erstaunlicherweise nur €1,50 bezahlt.

Nach der Stadtbesichtigung von Quimper fahren wir zurück an die Küste. In Fuesnant halten wir noch bei einer Cidrerie und kaufen einen Karton handwerklich hergestellten Cidre. Als Übernachtungsplatz wählen wir einen kostenlosen Platz direkt hinter der Stranddüne in Mounsterlin.

Besichtigung von Concarneau fällt erstmal aus

Den ganzen Samstag und die Nacht davor regnet es. Die für heute geplante Besichtigung der Inselfestung von Concarneau lassen wir heute ausfallen. Der Wetterbericht kündigt für Montag schönes Wetter an und so wollen wir erst dann dort hinfahren. Wir fahren erstmal in Richtung Concarneau und daran vorbei in Richtung Küste.

 

Kurz hinter Trégunc taucht in einem Gewerbegebiet der Stammsitz und die Fabrikationstätte der Conserverie Courtin auf. Das Gebäude hat die Form eines Dampfers einschließlich dreier Schornsteine und ein Ladengeschäft. Wir gehen rein und sehen viele uns bereits bekannter Produkte, aber noch viele andere.

Angeschlossen ist eine Ausstellung, in der die Geschichte des im Jahre 1893 gegründeten Unternehmens in vielen historischen Bildern erzählt wird und es sind einige historische Maschinen der Fischdosen-Produktion ausgestellt. Mehrere große Fenster ermöglichen den Blick auf die dahinter liegende Produktionsstätte. Aber am heutigen Samstag wird nicht produziert. Leider Pech gehabt.

 

Nach diesem Stopp fahren wir weiter nach Pont-Aven, dem Künstlerdorf in dem Paul Gaugain gewirkt hat. Es regnet, in der Stadt ist kein Parken für uns möglich und so fahren wir weiter nach Névez auf dem Stellplatz am Sportgelände.

 

Die ganze Nacht bis Sonntag Nachmittag regnet es. Da wir die geplante Stadtbesichtigung von Concarneau nur bei Schönwetter machen wollen, bleiben wir noch einen Tag hier stehen.

Am Montag strahlt die Sonne vom Himmel, gut dass wir mit der Weiterfahrt noch einen Tag gewartet haben. In Concarneau parken wir am Bahnhof, einer der beiden Stellplätze in der Stadt. Auf dem Schild steht "Gare SNCF" ebenso auf dem Gebäude, das mit Holzbrettern verrammelt ist und dahinter ein großes Gelände auf dem kein Meter Gleis mehr liegt.

 

Wir gehen die paar Hundert Meter runter zur Ville Close, eine Insel umgeben von dicken Mauern, in der sich eine kleine Stadt befindet. Der Zugang ist über eine kleine Holzbrücke. Ab dem 10. Jahrhundert war es ein Kloster, später eine Festung. In der Ville Close leben wohl noch Menschen, denn wir entdecken in Seitengassen viele geparkte Fahrzeuge. Es ist sehr touristisch hier, viele Restaurants und die unvermeidlichen Souvenirläden, die weniger bretonische Produkte verkaufen, sondern vielmehr den Andenkenmüll aus China. Einige Geschäfte sind geschlossen, weil heute Montag ist. Das gilt auch für Teile des Rundweges auf der Mauer.

Technisches Problem am Wohnmobil

Als ich vom Parkplatz in Concarneau losfahren will, entdecke ich, dass der Luftdruck der rechten Luftfeder auf Null gefallen war und das Fahrzeug hinten etwas schief hängt. Das Aufpumpen hilft wenig, denn nach 2-3 Minuten ist die Luft wieder raus. Das wünscht sich niemand, weit weg von zuhause und ein Defekt am Fahrzeug. Wir fahren erstmal wie geplant weiter.

 

Unser nächstes Ziel ist Quimperlé. Wir machen einen Rundgang durch das Städtchen, das blumenreich sein soll. Wir sehen mehrmals Gärtner, die Blumen ausgraben und entfernen. Wir sind wohl ein paar Wochen zu spät hier eingetroffen, um die Blütenpracht zu bestaunen. Durch die Stadt fließt ein kleiner Fluß, die Laïta. Neben einer früheren Mühle und einem Wehr eine schmale Fischtreppe installiert, die es Lachsen ermöglicht zu ihren Laichplätzen zu gelangen.

 

Bei unserer Weiterfahrt überqueren wir die Grenze des Departements Finistere und kommen ins Departement Morbihan. Dort fahren wir an die Küste bei Guidel Plage. Die ersten Wohnmobilstellplätze in Strandnähe sind überfüllt. Einen halben Kilometer vom Strand entfernt finden wir beim Fort du Loc'h einen offiziellen kostenlosen Stellplatz. Wir sind dort das zweite Wohnmobil, bei Einbruch der Dunkelheit wird auch dieser Platz voll.

Überraschender Anruf von der Werkstatt

Nachdem wir in der Sonne noch ein Bier getrunken haben, entschließe ich mich die Werkstatt per Mail zu kontaktieren, die vor 3 Jahren die Luftfederung in unser Wohnmobil eingebaut hatte. Eine Stunde später, kurz nach 19 Uhr, ruft mich der Inhaber der Werkstatt Carsten Stäbler an und beruhigt mich erstmal, dass wir den Urlaub nicht vorzeitigt abbrechen müssen. Er gibt mir noch ein paar Tipps und lädt mich ein, auf der Heimreise bei ihm in Waghäusel vorbei zu kommen, damit sie unser technisches Problem beheben können. Ich bin begeistert, so stelle ich mir einen guten Kundendienst vor.