Bretagne (2018)

Im Süden - Departements

Morbihan und Loire Atlantique

Dienstag, 25. bis Samstag, 29.09.18

Am Dienstag fahren wir an der Küste weiter bis Larmor-Plage, an Lorient vorbei in Richtung der Halbinsel Presqu'Île de Quiberon. Kurz vor der Abzweigung zur Halbinsel kommen wir durch den Ort Erdeven. Dort gibt es ein großes Menhir-Feld von ca. 1.000 bis zu 6 m hohen Felsblöcken und mittendurch wurde die Straße D781 gebaut, wobei viele der Menhire seinerzeit dem Straßenbau zum Opfer fielen. Ob man das heutzutage immer noch so machen würde? Ich bezweifel es.

In Plouharnel ist mitten im Ort die Abzweigung zur Halbinsel Presqu'Île de Quiberon. Vor der Halbinsel wird das Land immer schmaler, bis nur noch ein kurzer schmaler Damm den Übergang bildet, wo nur noch die Straße und eine Eisenbahnlinie Platz haben. Auf der Halbinsel fahren wir durch ein Gewirr schmaler Sträßchen auf die kurvige Küstenstraße der Westseite, die Côte Sauvage, entlang. Tolle Aussichten, viele Parkplätze und ein wunderschöner Küstenwanderweg, der von vielen Touristen genutzt wird.

 

Wir kommen dann in die Stadt Quiberon, fahren bis zum Hafen, können aber nicht anhalten und streifen mit der rechten Heckseite einen Poller. Der Schaden hält sich in Grenzen, es traf ein Plastikteil, das eh schon einen Riss hatte. Es ist uns zu eng hier, wir wollen nur noch weg. Über die Ostseite verlassen wir die Halbinsel und fahren weiter in Richtung Osten an Carnac und La-Tinité-sur-Mer vorbei nach Locqmariaquer. Dort hatten wir einen Stellplatz an der Landspitze direkt hinter einer Düne ausgewählt, der aber hoffnungslos überfüllt ist. Also Kehrtwendung und auf eine neue Suche.

Manches Leid der Wohnmobilisten

Die Einheimischen machen es einem oft nicht ganz so einfach. An den Küsten gibt es viele Parkplätze, die durch einen 2m-Balken über der Einfahrt für Wohnmobile gesperrt sind. Und wo das Parken tagsüber erlaubt ist, darf man oft nicht übernachten.

 

Es gibt aber auch Positives zu berichten. Manche Einkaufzentren haben die Kaufkraft der Wohnmobilisten erkannt und bieten am Rand ihrer riesengroßen Parkflächen reservierte Bereiche zum Übernachten an. Einen solchen entdecken wir heute kurz vor Crac'h mit einer angrenzenden Grünfläche und einem Picnic-Bereich. Wunderbar! Hier bleiben wir.

Wir haben herrlich geschlafen, schnell noch beim Intermaché am Platz was zum Frühstücken und noch so allerlei Sonstiges eingekauft und dann geht es am Mittwoch los in das Städtchen Aurey. Dort finden wir sofort am Rande der Altstadt einen Parkplatz und machen uns auf zu einem Rundgang durch die Stadt. Zentrum ist wie so oft eine imposante Kirche mit einem beeindruckenden Altar. Als ich mir die Kirche von der Seite ansehe, denke ich zuerst, hier gucken Kanonen aus dem Mauerwerk, aber in Wahrheit sind dies Regenrinnen. Angrenzend gibt es viele kleine Sträßchen mit netten Geschäften. Negativ viel uns auf, dass die Autos überall durchfahren dürfen, zwar langsam aber es nervt ständig auf der Hut zu sein, vor allem mit Hunden in Begleitung.

 

Was uns schon während der gesamten Reise aufgefallen ist, dass in der Bretagne (oder ganz Frankreich?) in den Ortschaften und Städten die Stromversorgung überirdisch erfolgt. So wie in den USA hängen überall Kabel rum. Hat einen gewissen historischen Charme von Improvisation.

Nach Aurey umrunden wir den Golf von Morbihan und landen am Nachmittag auf dem kommunalen Stellplatz von Saint-Gildas-de-Rhuys.

Französisches Menü und Austern-Test

Direkt hinter unserem Stellplatz gibt es ein Restaurant, das im Michelin-Führer gelistet ist. Da gehen wir am Abend kurz vor 19:00 hin und wollen uns kulinarisch verwöhnen lassen. Die Sonne scheint herrlich und da der Speiseraum noch nicht geöffnet ist, lädt uns die Chefin ein auf der Terrasse mit einem Aperitif die Zeit zu überbrücken.

 

Wir bekommen die Speisekarte und wählen 2 verschiedene Menüs aus. Im Gespräch erwähne ich, dass wir noch nie Austern gegessen hätten und diese deshalb nicht als Vorspeise bestellt haben. 10 Minuten später kommt die Dame mit 2 Austern, Zitrone, Brot und Butter für uns zum Testen. Das machen wir dann auch, sie schmecken besser als gedacht, wir würden sie aber trotzdem nicht bestellen.

 

Das Menü, das wir dann bekommen, schmeckt hevorragend. Pure Gaumenfreude und jeden Euro wert.

Am Donnerstag bleiben wir noch einen Tag hier stehen, lassen es langsam angehen und grillen am frühen Nachmittag. Einige unserer Stellplatz-Kollegen kommen vom Strand mit Eimern voll mit frischen Austern. Bei Ebbe kommen Felsen zum Vorschein auf denen Austern wild wachsen. Diese werden dort geerntet, ausgiebig gewaschen und dann verzehrt.

Unser Stellplatz in Saint-Gildas-de-Rhuys ist ganz schön voll geworden. Da die Ent-und Versorgung nicht extra bezahlt werden muss, gehen wir davon aus, dass jeder, der heute abfährt, an die Station will und das dauert jedesmal mindestens 10 Minuten.

 

Wir wollen am Freitag auch weiter fahren und machen mal was Neues. Nach der Morgenwäsche fahren wir direkt zur Ver- und Entsorgung und anschließend zu unserem Parkplatz zurück zum Frühstücken und anschließendem Gassi gehen. So haben wir keine Zeit verplempert.

 

Wir fahren nach Süden. In Sarzeau bleiben wir beim Lidl und später in Herbignac noch beim Aldi stehen, um uns mit französischen Produkten für zuhause einzudecken. In La Roche-Bernard verlassen wir die Bretagne und erreichen in der Region Pays de la Loire das Departement Loire Atlantique.

 

Wir fahren weiter über Mesquer nach Piriac-sur-Mer und machen einen Stopp, gehen die paar Meter bis zum Strand und stellen fest, dass sich das Meer wieder zurückgezogen hat. Auf den Felsen klettern wieder Einheimische rum, um dort Austern abzupflücken. Abpflücken bedeutet, sie mit Hammer und Meisel vom Felsen runterzuschlagen. Gaby geht auf Muschelsuche und sie findet welche, die wir bisher so noch nicht gesehen haben.

Wir fahren weiter nach Guérande. Guérande, das für seinen mittelalterlichen, historischen Stadtkern bekannt ist, befindet sich auf der gleichnamigen Halbinsel, die an den Atlantischen Ozean grenzt und ist Teil der historischen Bretagne. Guérande hat den Reiz einer mittelalterlichen Stadt mit Befestigungen und einer komplett erhaltenen Ringmauer aus dem 15. Jahrhundert. Über eines der 4 Tore erreicht man die Altstadt und befindet sich inmitten malerischer Pflasterstraßen, enger Winkelgässchen und romantischer alter Häuser. Positiv ist uns aufgefallen, dass es hier sehr viele nette Geschäfte mit Produkten aus der Region und zahlreiche Ateliers gibt. Wir sind sehr angetan.

 

Nach der ausgiebigen Stadterkundung kehren wir zu unserem Wohnmobil vor der Stadtmauer zurück und suchen einen Übernachtungsplatz. In Guérande werden wir nicht fündig und so fahren wir weiter in Richtung Pointe de Croisic. Kurz hinter Guérande fahren wir mitten durch Salinen, wo das "Sel de Guérande" gewonnen wird, das weder gewaschen, noch raffiniert und deshalb naturgrau, gröber als üblich und völlig ohne Zusatzstoffe ist. Hier kann man das Salz direkt vom Bauern kaufen, die es an Ständen an der Straße für 1€/Kilo anbieten.

 

In Le Croisic finden wir unseren Übernachtungsplatz auf dem Gelände des Intermarché-Supermarkts, der einen  Teil des sehr großen Parkplatzes zum Übernachten extra für Wohnmobil-Fahrer reserviert. Wir stehen hier mit etwa 25 Mobilen. Es gibt neben dem Lebensmittelmarkt eine Versorgungsstation, eine Tankstelle und ein Gasflaschen-Depot. Was braucht man mehr? Vorbildlich.

Am Samstag ist für uns der letzte Tag der Bretagne-Rundfahrt angebrochen. Als erstes halten wir an einem Stand, wo Salz aus den hiesigen Salinen verkauft wird. Wir erwerben einen 5kg Sack für 4€. Dann wollen wir an die Spitze Point du Croisic. Wir kommen nicht weit, denn nach dem Ortzentrum von Le Croisic geht es für Fahrzeuge nicht mehr weiter. Hier im Bahnhof enden auch die Bahngleise, auf denen ein kompletter TGV steht. Was immer der hier verloren hat.

 

Dann geht es die Küste entlang in Richtung Saint-Naziere. In Batz-sur-Mer erscheint plötzlich vor uns ein riesengroßes Geschütz aus dem 2. Weltkrieg, dahinter ein Bunker und daneben amerikanische Jeeps. Es handelt sich um "Le Grand Blockhaus", einem der größten Bunker des Atlantikwalls, der als Kommandoposten genutzt und den Schiffsverkehr in der Loire-Mündung überwachte. Heute ist es ein Museum, das auf 300qm über 5 Stockwerke das Leben im Bunker nachstellt.

Nördlich von Saint-Naziere gibt es den Naturpark Parc Regional de la Grand Brière. Es ist eine der größten Sumpf- und Lagunenlandschaften Frankreichs. Die vielen Kanäle kann man mit Kähnen erkunden. In Kerhinet lebten 1973 nur noch 2 Personen, alle anderen Einwohnen waren aus wirtschaftlichen Gründen weggezogen und deren Häuser verfielen. Die Parkverwaltung kaufte daraufhin das ganze Dorf und restaurierte es 12 Jahre lang. Heute ist es ein Museumsdorf und stellt das Leben im Jahr 1875 dar, als dort 15 Familien lebten.

 

Im Dorf findet man viele Tafeln, die auch in fehlerfreiem Deutsch das Leben in dieser Zeit erklären. Hier erfahre ich auch warum viele Ortschaften in der Bretagne mit einem "K" und meisten mit "Ker" beginnen. "Ker" ist bretonisch und bedeutet Haus.

Während unserer Rundreise haben wir schon viele toll gestaltete Kreisel gesehen, die es wert gewesen wären auf einem Foto verewigt zu werden. Aber als wir in Saint-Lyphard an einem Kreisel vorbeikommen, der die Landschaft der Brière darstellt, muss ich ad-hoc anhalten und fotografieren.

Am Rand des Naturparks machen wir noch einen Abstecher nach Ile de Fédrun, von wo aus man auch geführte Kahntouren machen kann. In Saint-Naziere überqueren wir in 67m Höhe die Loire. Die 1974 erbaute Brücke war damals die Schrägseilbrücke mit der weltweit größten Stützweite. Als wir die höchste Stelle passieren, habe ich das Gefühl, dass die Fahrbahn dort etwas runterhängt. Und wenn man mein Bild von der Brücke genauer betrachtet, kann man erkennen, dass mein Gefühl kein Traum sondern Wirklichkeit ist. Ich kann nur hoffen, dass die Brücke besser gewartet wird als jene in Genua, die vor 6 Wochen einstürzte.

 

Da wir in der näheren Umgebung keinen Übernachtungsplatz direkt an der Loire auf die Schnelle entdecken können, fahren wir einige Kilometer ins Landesinnere. Jetzt stehen wir in Saint-Viaud an einem großen Freizeigelände mit einer Wasserski-Anlage zusammen mit 4 weiteren Mobilen in völliger Ruhe unter einem strahlendem Sternenhimmel.