Sardinien (2018)

Im Nordwesten

Freitag, 11. bis Montag, 14.05.18

 

Am Freitag ist der Tag gekommen, an dem wir den Norden verlassen und weiterziehen. Ziel ist Alghero im Nordwesten. Ove und ich fahren gleichzeitig los, aber unsere Navis, beide von Garmin, haben unterschiedliche Routen gewählt. Das soll einer verstehen. In Arzachena trennen sich unsere Wege. Ove fährt auf einer motorradfreundlichen Kurvenstrecke über Tempio und wir die etwa 10km längere Strecke über Olbia, die autobahnähnlich ausgebaut ist.

 

An unserem Ziel, dem Campingplatz Laguna Blu kommen wir im Abstand von fünf Minuten an. Zumindest habe ich es noch geschafft der erste zu sein. Der Platz liegt an einer Lagune im Vorort Fertilia und ist wenig belegt. Wir haben eine große Auswahl an möglichen Stellplätzen und suchen uns welche aus, die wegen der Hunde etwas abseits liegen.

 

Besichtigung der Altstadt von Alghero

Nachdem wir uns auf den Liegestühlen von der 160km langen Fahrt etwas erholt hatten, wollen wir doch noch was erleben und fahren ins Zentrum von Alghero. Wir parken unsere Smarts auf einem Großparkplatz am Hafen und gehen von dort aus an die Stadtmauer und über einen Durchgang in die Altstadt.

 

Dort finden wir viele schöne Gassen mit kleinen Geschäften. Uns fällt auf, dass es zahlreiche Juweliere gibt, die Korallenschmuck anbieten. Früher wurden am nahen Capo Caccia Korallen abgebaut. Das ist heute nicht mehr gestattet, die Korallen werden importiert. Geblieben ist der Korallenhandel und ein Korallen-Museum.

 

Wenn man in den Gassen nach oben blickt, dann sieht man viele bunte Lampions aus Fahrradfelgen.  Ich frage einen EInheimischen und er erzählt mir, dass 2017 der Giro d'Italia in Alghero startete und die ganze Stadt stand Kopf. Aus diesem Anlass wurde die ganze Stadt mit Symbolen des Radsports geschmückt. Die Lampions und auch andere Dekorationen, die man erst auf den 2. Blick entdeckt, sind schöne Überbleibsel von dieser Aktion.

 

Wir gehen auf der Stadtmauer entlang, wo sich viele gutbesuchte Cafes und Restaurants befinden und von dort wieder in die Altstadtgassen zurück.

 

 

In unserem Reiseführer wird die Trattoria Caragol empfohlen. Kurzentschlossen gehen wir rein, obwohl es noch nicht die Uhrzeit für ein italienisches Abendessen ist. Für den Wirt ist das kein Problem und er erklärt uns, dass die Pasta selbstgemacht ist. Wir bestellen einen sehr leckeren offenen Rotwein, einen Cannonau, und jeder von uns eine Vorspeise.  Nachher gibt es noch einen Espresso und für mich einen besonderen Nachtisch, der sich interessant anhört und ebenso gut schmeckt.

 

Anschließend fahren wir zurück zum Campingplatz, wo uns die drei Hunde schon sehnsüchtig erwarten.

 

Ausflug ans Capo Caccia

Für den Samstag ist ein Ausflug an den 10km ins Meer ragende gewaltige Fels des Capo Caccia geplant. Kurz vor dem Ende der Straße gibt es den Aussichsichtspunkt Belvedere La Foradada. Wir klettern etwas auf den Felsen rum, auf der Suche nach dem besten Fotostandort. Man muss dabei sehr vorsichtig sein, denn die über 100 Meter senkrecht ins schäumende Meer abfallende Abbruchkante des Felsen ist nicht gesichert. Direkt unter uns sind Boote zu sehen, die Touristen zur Grotta di Nettuno bringen. Die Grotte kann man auch zu Fuß über 654 Treppenstufen erreichen.  Wer's mag.

 

 

Voll begeistert von dieser Aussicht, fahren wir ein Stück weiter bis zum Ende der Straße. Dabei entdecken wir eine Militärstraße, die in Kehren zu einer Radarstation hinaufführt. Der Zugang für private Fahrzeuge ist verboten, aber über Fußgänger steht nichts auf dem Schild. Ove, Cheevi und ich machen uns zu Fuß auf den Weg. Die Sonne sticht und die Kehren wollen nicht aufhören. Als wir schon höher als der Leuchtturm auf dem benachbarten Felsen des Capo Caccia sind, erreichen wir das abgesperrte Militärareal. Weiter geht es nicht. Von hier oben haben wir einen fantastischen Blick auf das Capo Caccia. Die Mühe hat sich gelohnt.

 

 

Auf dem Rückweg regt sich bei uns Hunger und so machen wir Halt in der gut besuchten Bruschetteria Cohiba im Zentrum von Fertilia. Sehr zu empfehlen.

 

 

Gut gestärkt wollen wir noch zum Lidl nach Alghero, um Getränke und was zum Grillen einzukaufen. Später stellt sich heraus, dass wir von der Bruschetta immer noch so satt sind, dass das Grillen auf den Sonntag verschoben wird. Das Wetter am Sonntag Nachmittag ist sehr gemischt und der Wind frischt ordentlich auf. Besonders unsere Frauen leiden darunter. Unserer guten Stimmung tut das keinen Abbruch.

 

Alghero, wo Sardinien katalanisch ist

Während Ingrid und Ove zur Weinprobe das Weingut Sella & Mosca besuchen, fahren wir am Montag nochmal kurz nach Alghero, um in der Altstadt das kleine Geschäft Enodolciaria für sardische Spezialitäten aufzusuchen. Wir studieren das Regal der Olivenöle. Leider kann man in dem Laden kein Olivenöl verkosten, so lassen wir uns beraten und entscheiden uns für zwei Öle aus Alghero.

 

An der Ecke der Straße befindet sich die Torre Porta Terra, ein ehemaiges Stadttor von Alghero. Was mich verwundet ist, dass oben 3 große Fahnen wehen: eine italienische, eine sardische und eine katalanische. Gerade letzte verwundert etwas. Der Verkäufer des Ladens erklärt mir, dass Alghero über 400 Jahre lang zu Katalonien gehörte und heute noch alte Einwohner den sardisch-katalanischen Dialekt sprechen. Jetzt versteh ich auch, warum die Straßennamen auf den Schildern zweisprachig sind.
Siehe auch TV-Sendung von arte (abspielbar bis April 2019).

 

 

Auf dem Rückweg zum Parkplatz kommen wir direkt am Hafen an der Focacceria Milese vorbei. Wer einmal in Alghero ist, sollte dort die gefüllten Focacce probieren. Uns haben sie jedenfalls sehr gut geschmeckt. Unsere Favoriten sind die mit Bresaola und Käse, Tomaten und Mozzarella und die Spezialität des Hauses Focaccia Milese. Alle zum Einheitspreis von €2,70.