Sardinien (2018)

Im Südwesten

Freitag, 18. bis Dienstag, 22.05.2018

 

Heute geht es weiter in den Süden durch die Costa Verde. Die Gegend hat zu recht ihren Namen Grüne Küste. Es geht durch viele Kurven durch ein Gebirge auf bis zu 500 Meter Höhe.  Die Vegetation besteht aus vielen Büschen, Sträuchern und Blumen die um diese Zeit alle blühen, wunderschön. Ich stoppe immer wieder mein Gespann auf offener Strecke, mach die Warnblinkanlage an, steige aus um mache Fotos. Das ist in dieser Gegend überhaupt kein Problem, denn der Verkehr ist sehr gering.

 

Auffällig ist, dass wir an vielen Agriturisme vorbeikommen, das hätte ich in dieser Zahl nicht erwartet. Plötzlich kommen wir in eine Ortschaft, Montevecchio, eine ehemalige Bergwerkstadt. In Montevecchio wurde ab 1848 etwa 100 Jahre lang industriell Blei, Silber und Zink abgebaut. Die letzte Mine schloss 1991, die ganzen Anlagen stehen noch und langsam erobert sich die Natur ihr Revier wieder zurück.

 

Ab hier ist die Straße gut ausgebaut, es geht kontinuierlich abwährts, links rechts, links, rechts. Ein Paradies für Motorradfahrer, man könnte sich auch in den Alpen befinden, nur mit viel weniger Verkehr.

 

 

Irgendwann biegen wir ab in Richtung Capo Pecora. Das hatten wir uns als heutiges Ziel ausgedacht. Bereits von weit oben sehen wir das Ende der Straße an derem Ende sich ein Wendhammer sich befindet. Auf dem haben sich einige Wohnmobilisten breit gemacht, so dass ich keine Möglichkeit erkennen kann, hier mit dem Gespann umzudrehen. Auf meinem Hinweis hin, dass hier stehen nicht die beste Idee ist, bekomme ich von einem Päarchen aus Hannover eine patzige Antwort. Hilfestellung ist nicht zu erwarten.

 

Hier wollen wir auf jeden Fall nicht bleiben. Wir essen erstmal was und planen schon das Abladen des Smarts und das Abkuppeln des Anhängers, um dann zu versuchen 

die Zugmaschine zu drehen. Gegenüber von uns ist ein holpriger parstreifen auf dem 4 Womos und ein PKW stehen. Plötzlich fahren  zwei Kastenwagen weg und es tut sich eine größere Lücke auf. Schnell beschließen wir hier mit dem ganzen Gespann zu drehen. Und es klappt tatsächlich. Große Erleichterung tut sich bei uns breit und wir fahren sofort weg.

 

 

Wir fahren in Richtung Buggerru. Ein paar Kilometer vorher in San Nicolò erstreckt sich ein endlos langer Strand mit einer kerzengeraden Straße und einer unendlich großen Anzahl von Parkplätzen davor. Kurz entschlossen beschließen wir hier unser Nachtlager aufzuschlagen. Wir packen unsere Sachen und gehen mit Hund und Kegel an den menschenleeren Strand. Die Hunde genießen es so wie wir. Plötzlich erscheinen Ingrid und Ove. Sie sind auf dem Rückweg von einem Ausflug an die Costa Verde.

 

Eines hatten wir bei der Wahl des Übernachtungsplatzes nicht bedacht, dass in jedem Italiener ein heimlicher Ferrari-Fahrer steckt. Auf der langen Geraden besteht zwar eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30, das hindert aber die Einheimischen nicht daran mit 120 kmh entlang zu brausen. Zum Glück beruhigt sich das Ganze gegen Mitternacht und wir schlafen tief und fest.

 

 

Am Samstag morgen fahren wir ganze 5 Kilometer weiter nach Buggerru, wo sich auf dem dortigen Stellplatz Ingrid und Ove befinden. Wir gesellen uns dazu und entspannen den ganzen Tag.

 

 

Am Sonntag geht es gemeinsam weiter in den Süden in die Nähe des Golfo di Palma. Erstmal geht es von Buggerru aus steil aufwärts ins Gebirge direkt an der Küste und später mit einem Gefälle von bis zu 15 Prozent wieder runter. Da hat das Wohnmobil ganz schön zu kämpfen. Als wir wieder die Küste sehen, erkennen wir von weitem den Pan di Zucchero, dem Zuckerhut, einem Felsen direkt vor den Klippen.

 

Die ganze Gegend ist ein Gebiet, in dem es früher sehr viele Bergwerke gab, die aber bereits vor Jahrzehnten aufgeben wurden und deren Gebäude und Installationen verfallen.

 

Wir fahren weiter und kommen durch Carbonia, das erst 1937 gegründet wurde, um den Minenarbeitern der nahen Kohleminen eine Wohnstatt zu geben. Unser Ziel ist der Agricamping Il Ruscello in Sant'Anna Arresi. Auf dem Stellplatz ist wenig los und unsere Hunde können sich frei bewegen.

 

 

Gegen halb acht machen wir uns auf und fahren ins 3 km entfernte Restaurant des Agriturismo Il Ruscello. Dort gibt es ein Überraschungsmenu mit viel Rotwein.

 

 

Die ganze Nacht zum Montag regnet es, wer hat da schon Lust aufzustehen. Selbst unsere Hunde verspüren kein Bedürfnis den Tag einzuläuten. Irgendwann stehen wir dann doch auf und frühstücken. Plötzlich hören wir Explosionen, immer wieder kurz hintereinander und oder auch mit Abständen. In der Ferne sehen wir Rauch aufsteigen. Unsere Hunde zittern vor Angst am ganzen Körper. Später erklärt uns der Betreiber, dass der südlichste Teil Sardiniens um das Capo Teulada militärisches Sperrgebiet ist und das italienische Heer immer wieder, außer in der Hochsaison, Schießübungen durchführt.

 

Später fahren wir zum Einkaufen ins 30 km entfernte Sant'Antioco. Das liegt auf der gleichnamigen Insel, mit 109 km² die viertgrößte Insel Italiens. Sie ist über einen 3 km langen künstlichen Damm mit der Mutterinsel verbunden ist. Der Damm wurde vor über 2.000 Jahren von den Phöniziern angelegt, um die in den Mienen auf dem Festland gewonnen Erze zu verschiffen. Südlich des Damms hält sich im seichten Wasser eine Kolonie Flamingos auf. Am Nachmittag hört endlich der Regen auf, die Wolken lösen sich auf und die Sonne ist wieder da. Na endlich.

 

Am Dienstag scheint die Sonne den ganzen Tag. Wir unternehmen einen Ausflug auf die Insel Sant'Antioco. Wir wollen zur südlichen Spitze zum Capo Sperone. Wir folgen den Wegweisern und plötzlich ist im Nirvana die Straße zu Ende. Wir fahren daraufhin zurück in die Inselhauptstadt, kehren in eine Bar ein und machen einen Spaziergang am Hafen.