Sardinien (2018)

Im Südosten

Montag, 28.05. bis Sonntag, 03.06.2018

 

In der Nacht hat es geregnet und es ist schwül geworden. Da fällt uns der Abschied von Chia nicht schwer. Wir verlassen den Süden und fahren an die östliche Südspitze Sardiniens nach Villasimius. Es geht die bekannte Strecke nach Cagliari, dort die nördliche Umfahrung mit vielen Ampeln auf der vierspurigen autobahnähnlich ausgebauten Straße und dann in die Berge. Eine relativ neue Straße mit vielen Tunneln bringt uns an das südliche Ende des Golf von Cagliari. Danach geht es über eine Provinzstraße mit zahlreichen Kehren über die Berge auf die östliche Seite der Insel und hinab nach Villasimius.

 

Der von uns ausgewählte relativ neue Stellplatz ist menschenleer. Wir können uns nicht nur den besten Platz aussuchen sondern auch breit machen, wir stören ja niemanden. Nachteil dieses Platzes ist die fehlende Sicht zum 200 Meter entfernten Meer und die vielen Kletten im Boden, die sich mit Begeisterung in Cheevis Fell festsetzen.

 

 

Am späteren Nachmittag fahren wir in die Stadt und gehen zu Fuß durch die Hauptstraße, die sich durch den langen Ort zieht. Es gibt viele kleine Geschäfte, Restaurants, Bars, Pizzerien und viele Eisdielen. Wir sind auf der Suche nach einer ganz bestimmten Eisdiele, Il Gelato di Beppe, eine Empfehlung unseres Facebook-Freundes Peter. Diese Eisdiele stellt Bio-Eis in 36 Sorten nach alter Tradition aus natürlichen Zutaten vorwiegend aus Sardinien und ohne jegliche Aromen her. Es schmeckt wirklich sehr gut.

 

Capo Carbonara, aber vorher endet die Straße

Am Dienstag lassen wir es erstmal ruhig angehen. In der Nacht hatte es geregnet und erst gegen Mittag ist es so, dass sich ein Ausflug lohnt. Wir beschließen die Strände im Süden von Villasimius zu besuchen und fahren bis zum letzten Parkplatz vor dem Capo Carbonara, dem südlichsten Ende der Ostküste Sardiniens.

 

Neben vielen anderen schönen Eindrücken hat mir persönlich eine Stelle besonders gefallen wo von Besuchern direkt am Wasser zahlreiche Steinmännchen aufgetürmt wurden.

 

Strandvergnügen an der Spiaggia di Simius

Am Mittwoch gegen 1 Uhr gehen Gaby und ich mit den Hunden an den nahen Strand. Die Sonne brennt vom Himmel und am Strand ist wenig los. Heute gibt es tolle Wellen. Auch ich wage mich ins Wasser, sogar zweimal. Es ist gar nicht so kalt, zumindest dann, wenn man erst mal drin ist und es macht richtig Spaß in die ankommenden Wellen zu tauchen.

 

Ove kommt mit seiner Kamera an den Strand, um Bilder von der Bucht zu machen. Da ich kein Möglichkeit hatte Bilder zu schießen, darf ich seine Fotos an dieser Stelle präsentieren. Am späteren Nachmittag grillt Ove frische sehr schmackhafte Doraden für uns alle.

 

 

Am Donnerstag ziehen wir weiter. Es geht vorbei an der berühmten Costa Rei auf dem schnellsten Weg nach Villaputzu. Dort haben wir im kleinen Vorort Porto Corallo den Stellplatz Bellavista Camper Service ausgesucht. Dieser Stellplatz wird von drei netten Jungs betrieben und liegt direkt am langen sehr leeren Strand von Porto Corallo. Uns gefällt dieser Stellplatz am Besten von allen, die wir bisher in Sardinien erlebt haben. Er ist sehr groß und bei unserer Ankunft noch wenig belegt. Der lange Strand davor ist fast menschenleer. Die obligatorische Torre ist ebenfalls vorhanden.

 

Am Abend gehen wir ins 4 km entfernte Villaputzu in einer Pizzeria essen. Wir sitzen auf einer Terrasse in der 1. Etage mit Blick über den Ort. Die Pizzen sind sage und schreibe 40 cm groß und kaum zu schaffen. Ingrid und Ove essen davor noch einen Antipasto di Mare, der nicht nur optisch sondern auch geschmacklich eine Wucht ist

 

Capo Ferrato und Costa Rei

Am Freitag wollen wir das Capo Ferrato und die berühmte "Königsküste" Costa Rei besichtigen. Wir fahren die Strada Statale 125 gen Süden und biegen beim ersten Schild "Capo Ferrato" ab in irgendeine Provinzstraße. Die Straße wird irgendwann immer schmaler, die Brücken immer unsicherer und dann weicht auch noch der Asphalt einer von starken Regengüssen ausgewaschenen Piste, die in vielen Kurven und Serpentinen in die Höhe führt. Es ist echt schwer einen Weg zwischen all den Löchern in der Straße zu finden. Plötzlich kommen uns Menschen entgegen, die ihre Autos an Ausweichstellen geparkt haben und zu einem der vielen abseits gelegenen Strände pilgern.

 

Plötzlich ist die Sandpiste zu Ende, die Straße ist wieder asphaltiert und hier parken zahlreiche Autos. Wir bleiben stehen und sind froh das Abenteuer ohne Blessuren geschafft zu haben.  Dann entdecken wir eine Leiter, die einen Zaun überbrückt mit einem Wegweiser Wanderweg zum Capo Ferrato. Ove will rauf und ich entschließe mich ihn zu begleiten. Es ist mittlerweile 13:00, High Noon, wie das der Western-Fan nennt, und die Sonne brennt vom Himmel. Die richtige Zeit in die Höhe zu wandern.

 

Es geht rauf zu einem Felsen, dann wieder weit runter und am Ende elendig lange wieder hoch, bis wir am höhsten Punkt sind, wo sich ein Soldatenunterstand befindet, der sich von weitem wie eine Torre darstellte. Die Aussicht nach Nord und Süd ist gigantisch. Von hier aus sehen wir die gesamte Costa Rei, die uns von oben nicht besonders beeindruckt. Als wir wieder bei unseren Frauen und Hunden ankommen, sind wir nicht nur körperlich geschafft sondern auch völlig durchgeschwitzt.

 

 

Nichts wie weg, auch unsere Frauen sind froh, dass es endlich weitergeht, nachdem sie 1,5 Stunden auf uns Männer in der Sonne gewartet hatten. Wir sind schnell unten an der Costa Rei und haben die Vorstellung, uns in eine Bar zu setzen, was zu trinken, dabei auf Strand und Meer zu gucken und das Leben zu genießen. Aber manchmal klaffen Traum und Wirklichkeit weit ausseinander.

 

Die Straße an der Costa Rei ermöglicht überhaupt keinen Blick auf das Meer, denn alles ist zugebaut mit Privatvillen, Hotels und Ferienwohnungen. Zwischendurch führen schmale Wege an den Stand. Einen Versuch machen wir und stellen fest, das sieht überhaupt nicht nach Traumstrand aus. Warum so viele von der tollen Costa Rei sprechen, ist uns völlig unverständlich. Wir haben auf unserer Reise schon öfter viel schönere Strände gesehen, zuletzt in Villasimius. Zwischen all den Häusern finden wir doch noch ein Cafe mit Imbiss. Naja, die schnellsten waren sie nicht und geschmeckt hat es auch nicht.

 

Eigentlich wollen wir den Ausflug abbrechen, aber dann wollen wir uns doch vergewissern, dass wir nichts von der Costa Rei verpasst haben. Sie ist eingentlich schon zu Ende als wir die Cala Pira ansteuern. Das ist wirklich eine schöne übersichtliche Bucht mit türkisfarbenen Wasser. Dann hat unser heutiger Ausflug doch noch ein schönes Ende gefunden.

 

 

Freitag Nachmittag reisen viele Italiener mit ihren Wohnmobilen an, denn Samstag, 2. Juni, ist Nationalfeiertag zu Ehren der Gründung der Republik Italien in 1946. Nun herrscht reges Palaver bis spät in die Nacht. Das sind größere Familien oder Freundesgruppen, die gemeinsam ein schönes Wochenende erleben wollen, zusammen kochen, essen und diskutieren. Das wahre Leben Italiens. Uns zieht es relativ früh ins Womo zurück, die Mücken sind da und plagen uns. Die italiener haben vorgesorgt und Mückenlampen aufgehängt.

 

Am Samstag kommen noch mehr Gruppen, es wird richtig voll, na sagen wir mal zu 50 Prozent, denn Platz ist hier reichlich und Italiener lieben Kuschelcamping. Sonntag Nachmittag ist der ganze Spuk weitestgehend vorbei.

 

Wir haben Samstag und Sonntag zwei Ruhetage ohne besondere Aktivitäten eingelegt. Ich scheine von uns vieren die einzige Wasserratte zu sein und gehe mehrmals im Meer schwimmen oder lass mich mit der Schwimmnudel treiben. Am Sonntag morgen kehre ich mit Gaby zum Frühstücken in der kleinen Bar am Platz ein. Es gibt 2 mal Cappuccino und frisch gebackene Hörnchen.

 

Abendessen in einem nahegelegenen Agriturismo

Auf Empfehlung von Peter hatten wir für Sonntag abend ein Essen beim Agriturismo Marongiu bestellt. Als Deutsche sind wir natürlich rechtzeitig vor 20:00 da, aber wir dürfen uns noch nicht an einen der eingedeckten Tische setzen sondern müssen draußen warten. Zur Erleichterung der Wartezeit bekommen wir schon mal vorab eine Flasche Cannonau, einen Teller Pecorino und das Brot Carasau draußen serviert.

 

 

Wir sind 18 Gäste zum Abendessen. Wir werden aufmerksam bedient, es gibt sehr viele Vorspeisen und es hat uns geschmeckt. Zum "Abschuss" werden noch verschiedene hausgemachte Digestifs Mirto, Limoncello, Mandarinello, Bergamotto, Agrumello, Cardo (Distel) serviert. Und es gab nicht nur einen. Nach drei Stunden schlemmen sind wir wieder gut nach Hause gekommen.