Sardinien (2018)

Im Osten

Montag, 04. bis Mittwoch, 13.06.18

 

Der Stellplatz in Porto Corallo hat sich sehr geleert und auch für uns heißt es heute weiterziehen. Unser Ziel ist das 70 km entfernte Tortoli. Wir machen uns nicht die Mühe die Smarts aufzuladen, so fahren unsere Frauen mit im Konvoi. Die Fahrt auf der SS125 ist unspektakulär und gegen halb 12 kommen wir beim Camping Cigno Bianco an. Wir machen mit einem Angestellten einen Rundgang, er zeigt uns 2 Möglichkeiten für die von uns benötigte Stellplatzgröße. Wir entscheiden uns für ein leeres Areal in der Nähe von Rezeption, Bar, Restaurant und Supermarkt, das uns viel Platz bietet.

 

Ove und ich fahren später nach Tortoli, da uns beiden das Volumen der italienischen SIM-Karten ausgegangen ist. Anstatt eine Verlängerung des Tarifs zu kaufen, erwerben wir beide eine neue SIM-Karte von Digi Mobile mit 10GB für 10€ im Netz der TIM. Ein unschlagbares Angebot.

 

Erste Tour in die Berge: nach Lanusei und Jerzu

Hinter uns, sprich im Westen von unserem Standort, erhebt sich das Gebirge Gennargentu bis in eine Höhe von über 1800 Meter. Am Dienstag herrscht gutes Wetter und wir beschließen in die Berge zu fahren. Wir fahrern erstmal ein kurzes Stück die SS125 nach Süden und zweigen bei Bari Sardo ab auf die gut ausgebaute mit vielen Kurven versehene SS390 nach Lanusei. Dies ist eine Gemeinde mit etwas mehr als 5.000 Einwohnern, auf uns wirkt sie aber viel größer. Es geht in dem Ort steil rauf und runter. Durch Lanosai führt auch eine alte Schmalspurbahnstrecke, auf der in den Sommermonaten der Trenino Verde vom Hafen Arbatax bis Gairo fährt.

 

Kurz nach Lanosei biegen wir links ab, die Strecke führt hier über Gairo nach Ulussei und Jerzu. Eine herrliche Landschaft und zugleich Motorradstrecke, die ich in 2012 gefahen bin. Der Verkehr ist sehr gering, ideal für Motorradtouristen. Etwas unterhalb von Gairo gibt es das verfallene Gairo Vecchio, das 1951 nach 6 Tagen starken Regen durch riesige Schlammlawinen zur Hälfte zerstört wurde. 2012 sah ich hier nur Ruinen, jetzt konnte ich erste Renovierungen erkennen.

 

Die Weintankstelle von Jerzu

Von Gairo führt die Straße runter bis ins Tal und danach wieder hoch nach Orsini, Ulassai und Jerzu. In Jerzu gibt eine Umfahrung, wir wollen aber in den Ort, ein bekannter Weinort, und eine bestimmte Kellerei aufsuchen. Der offizielle Weg durch Jerzu führt plötzlich durch so enge Gassen, dass wir uns fragen wie man außer mit einem Smart hier überhaupt ohne Blessuren durchkommt. Kurz hinter dem Ort erreichen wir die Kellerei Antichi Poderi Jerzu. Die Weintankstelle gibt es tatsächlich. Wir haben noch 15 Minuten Zeit bis zur Mittagspause. Die reicht auch noch für eine kurze Degustation und den Kauf von diversen größeren und kleineren Wein- und Grappa-Flaschen.

 

Wir suchen den Hundeflüsterer

Am Mittwoch ist das Wetter so lala, am Nachmittag nieselt es sogar etwas. Wir haben nichts dagegen, wenn es mal nicht mehr so heiß ist. Wir legen heute einen Ruhetag ein, zumal Gaby sich bis auf weiteres von der Sonne fernhalten muss.

 

Ove entpuppt sich als der wahre Hundeflüsterer. Nicht nur Lena, sondern auch unsere beiden ziehen es vor, ihm und nicht uns Gesellschaft zu leisten. Gegen halb 2 nimmt Ove seine Lena um nur mal kurz Gassi zu gehen. Nach 1,5  Stunden ist er immer noch nicht zurück, kein Handy dabei und der GPS-Tracker von Lena ist im Womo zurück geblieben. Wir machen uns langsam Sorgen. Ingrid fährt mit dem Smart los, um Ove zu suchen und ich gehe mit Cheevi in die andere Richtung. Leider kein Ergebnis. Nach 2,5 Stunden taucht Ove plötzlich völlig durchgeschwitzt auf. Er hatte sich verlaufen und im bis zu 4 m hohen Schilf völlig die Orientierung verloren. Was sind wir jetzt froh. Vielleicht sollte man darüber nachdenken, ob nicht statt dem Hund das Herrchen den GPS-Tracker um den Hals oder so als Fußfessel angelegt bekommt.

 

Schon wieder legga essen

Das Highlight des Tages ist unser Abendessen. Die Cooperative der Fischer von Tortoli betreibt das Restaurant Ittiturismo in Arbatax. Es gibt dort zwei Menus, ein kleines und ein großes. Pro Tisch darf aber nur ein einheitliches Menu bestellt werden. Wir bestellen das große für €37 pro Person. Was es tatsächlich gibt, erfährt man nicht im voraus. Es gibt auf jeden Fall fünf Vorspeisen, einen ersten Gang und zwei Hauptgänge. Im Menu enthalten sind noch Wein, Wasser, ein Zitronen-Sorbet zwischen erstem und zweiten Gang, ein Obstteller und zum Abschluss Espresso und als Digestif Grappa oder Mirto. Es war das bisher beste Essen, das wir in vier Wochen Sardinien genossen haben. Geschmacklich herausgeragt haben der Tintenfisch-Antipasto und die Spaghetti mit Meeeresfrüchten. Bis auf den letzten Hauptgang haben wir alles geschafft. Das Restaaurant ist absolut empfehlenswert.

 

 

Am Donnerstag ist das Wetter sehr gemischt, keine Sonne und immer wieder Regen. Ein idealer Tag für einen Stadtbummel durch Tortoli. Unsere Frauen nehmen das wahr und wir Männer halten mit den Hunden die Stellung.

 

Zweite Tour in die Berge: zum Lago Alto Flumendosa

Nach zwei Tagen Pause wollen wir am Freitag wieder in die Berge fahren. Als Ziel haben wir den Stausee Lago Alto Flumendosa ausgesucht. In Google Maps heißt er Lago Bau Muggeris, warum wissen die Götter. Ich bleibe beim ersten Namen. Von Tortoli aus geht es die SP27 in vielen gut ausgebauten Kurven nach Villagrande Strisali und dann weiter bis wir auf der SS389 landen, die ab dieser Stelle wie eine einspurige Schnellstraße nach Norden in Richtung Nuoro führt. Eigentlich sollen wir ziemlich bald bei Villanova Strisali links abbiegen, die Stelle finden wir aber nicht. Einige Kilometer später halten wir an und stellen anhand von Google Maps fest, dass wir schon viel zu weit gefahren sind.

 

Wir drehen einfach um und fahren bei Villanova raus, durch den Ort und weiter in der Hoffnung eine Unterführung zu finden, um auf die andere Seite der Schnellstraße zu kommen, vergebens. Wir halten an, zufällig kommt ein Traktor vorbei, ich winke, er hält an und ich frage ihn nach dem Weg. Er sagt, wir sollten 5 Minuten warten, dann käme er mit dem PKW vorbei, um uns den Weg zu zeigen. Und tatsächlich kommt er nach 5 Minuten, fährt zügig in den Ort zurück, dann zur Schnellstraße und bleibt in einem kleinen Kreisel vor der Auffahrt stehen. Und tatsächich ist da die Unterführung, die wir gesucht hatten. Ich bedanke mich und er fährt gleich wieder nach Hause.

 

So sind die Sarden, immer hilfsbereit. Das ist schon das 2. Mal, dass uns ein Einheimischer den richtgen Weg zeigt und dabei eigens einige Kilometer vor uns herfährt.

 

Endlich sind wir am Lago und halten direkt am See an einer netten Stelle an. Die Hunde und wir haben sich nach den Irrfahrten eine Pause verdient. Von weitem hören wir Kuhglocken läuten und tatsächlich taucht auf der Straße vor uns eine Horde Kühe in Dreierreihen auf. Als sie uns erblicken bleiben sie abrupt stehen, um uns und die Hunde mit scharfen Blicken zu analysieren. Wir stellen uns hinter die Smarts. Die Kühe erkennen keine große Gefahr mehr und laufen im gebührendem Abstand an uns vorbei. Lediglich Ingrid ist mit Lena nicht bei uns. Sie steht weiter hinten mitten auf der Straße und die Kühe traben auf sie zu. Den großen Schreck in ihr können wir von weitem erkennen. Auf unser Zurufen bleibt Ingrid ruhig stehen und die Kühe biegen kurz vor ihr in Richtung See ab.

 

 

Auf dem Heimweg machen wir noch einen kurzen Schlenker nach Arbatax, um am Hafen den roten Felsen zu besichtigen. Er ist viel kleiner, als ich mir vorgestellt habe. In der Mitte ist ein rechteckiges Loch, ich habe keine Ahnung wie das entstanden ist. Ove steigt da rein, um auf der anderen Seite wieder rauszugucken.

 

Standortwechsel, auf nach Orosei

Gaby und ich wollen am Samstag einen Standortwechsel machen, Ingrid und Ove noch nicht, macht nix, sie werden nachkommen. Unser Ziel ist weiter im Norden, Orosei. Ich habe mir das so schön vorgestellt auf der SS125 durch die Berge in Küstennähe zu fahren, aber das Navi und der Tankwart heute morgen raten mir dringend davon ab und schicken uns die knapp 50km längere Strecke über Nuoro, die breit ausgebaut und ohne Kurven bis auf 1.035 Meter geht. Schade, hätten wir doch einen Kastenwagen, dann könnten wir die die wunderschöne Landschaft in Küstennähe genießen. Aber was solls, wir werden mit dem Smart einen Teil dieser Strecke noch nach Süden fahren.

 

Es geht zuerst in steilen Kurven nach Villagrande bis auf 800 Meter rauf. Diese Strecke haben wir bereits gestern mit dem Smart gemacht. Heute aber mit Wohnmobil und Smart auf dem Hänger kommen wir nur mit 35 kmh voran. Die Schlange hinter mir ist begeistert. Wo ich kann mache ich etwas Platz und animiere die nachfolgenden PKWs mich zu überholen. Die Glücklichen bedanken sich mit einem kurzen Hupton. Auf der gut ausgebauten SS389 geht es flott voran bis zur Provinzhauptstadt Nuoro, dann auf diversen anderen Provinz- und Staatsstraßen an die Küste von Orosei. Zwischendurch sehen wir vor uns das gewaltige Bergmassiv des Supramonte, das uns von der Küste trennt.

 

In Orosei fahren wir direkt an den Strand von Osalla bis zum Ende der Straße. Dort steht ein Kiosk schön schattig unter Pinien. Wir gönnen uns erstmal einen Cappuccino und ein Panino, bevor wir entscheiden, wie es weitergeht. Hier wollen wir nicht über Nacht bleiben und fahren deshalb zum nahegelegenen Stellplatz Osalla Beach Garden.

 

Wir hatten in den letzten Wochen immer wieder mit unserem Facebook-Freund Peter über Messenger kommuniziert. Er war mit seiner Frau schon oft in Sardinien und ist aktuell in der Nähe von uns unterwegs. Kurz entschlossen beschließt er zu uns auf den Stellplatz zu kommen und eine Nacht hier zu bleiben. Wir freuen uns sehr ihn und seine Frau Annette persönlich kennen zu lernen. Wir sitzen zusammen vor unseren Wohnmobilen bis nachts um eins bei Bier, Wein und dem einen oder anderem kurzen Getränk. Es ist eine laue Sommernacht, die Mücken vertreiben wir mit meiner neuen Mückenlampe, es ist ein wirklich gemütlicher Abend mit netten Gesprächen.

 

 

Noch bevor wir am Sonntag aufstehen, war Peter schon im Meer schwimmen. Er ist putzmunter, was man von uns noch nicht behaupten kann. Erst nach Cappuccino und Croissant in der Stellplatz-Bar sind wir so richtig da. Peter und Annette haben es nicht eilig, packen so langsam ihr Wohnmobil und fahren gegen Mittag los.

 

Es ist ein heißer Tag, so um die 30 Grad und wir relaxen am Wohnmobil. Am Nachmittag mache ich mich mit Handtuch und Schwimmnudel auf zum Strand. Ich bin überrascht wie viele Einheimische Ihre Autos im Pinienwald geparkt haben und sich auf dem Strand aufhalten. Relativ wenige halten sich im Wasser auf. Zu kalt? Mitnichten. Es liegt einfach daran, dass das Meer schnell tiefer wird. Schon nach 5 Metern hat man keinen Kontakt mehr zum Sandboden. Ich genieße jedenfalls das Wasser und lass mich mit der Schwimmnudel treiben.

 

Später gehe ich mit Kamera und Cheevi nochmal an den Strand. Die Verbindung zwischen unserem Stellplatz und dem Strand läuft über eine kleine Hängebrücke. Das findet Cheevi gar nicht gut, ich muss ihn rübertragen. Auf dem Rückweg läuft er schon von alleine.

 

Am Abend grillen wir und sind zufrieden mit dem heutigen Tag.

 

Dritte Tour in die Berge: nach Urzulei

Auf der Fahrt nach Orosei hatten wir aus Sicherheitsgründen auf das Befahren der küstennahen SS125 verzichtet und statt dessen eine großen Bogen über Nuoro gemacht. Dieser Abschnitt der SS125 ist bekannt dafür, dass er tolle Aussichten bietet.

So beschließen wir am Montag, einen Teil dieser Strecke mit dem Smart abzufahren. Zunächst geht es laut Navi nicht die 4 km nach Orosei zurück und von dort auf die SS125, sondern direkt von unserem Stellplatz aus den Berg hinauf. Dieser Weg ist nicht asphaltiert, steil, voller Löcher und Querrinnen. Irgendwann ist es zu spät umzudrechen. Der Weg will einfach nicht enden. Erleichtert erreichen wir irgendwann die SS125. Es war keine so gute Idee gewesen, diesen Weg zu nehmen.

Es geht weiter die SS125 nach Süden durch Dorgali und kurz danach links ab durch einen Tunnel zur Cala Gonone. Hinter dem Tunnel ist eine Aussichtsplattform, wo wir anhalten um das Panorama zu genießen und anschließend fahren runter in den Ort.

 

Nach dem Kurzbesuch von Cala Gonone geht es in vielen Kurven weiter zum 1.000 Meter hohen Pass Genna Silena. Wir haben rechter Hand von uns immer das gigantische Gebirgsmassiv Supramonte im Blick. Neben der Passhöhe gibt es einen Wohnmobilstellplatz, der höchste Sardiniens mit einem tollen Ausblick. Nach dem Pass fahren wir in den ersten Ort Urzulei weiter unten im Tal. Es ist Mittag und die Straßen sind leer. Wir drehen eine Runde im Ort und fahren den selben Weg wieder zurück nach Orosei.

 

Die Murales im ehemaligen Banditendorf Orgosolo

Wenn man sich an der Ostküste aufhält, ist der Besuch von Orgosolo ein Muss. Es ist allgemein als Banditendorf bekannt, das sich jahrhundertelang gegen jedwede Fremdherrschaft und in den letzten Jahrzehnten gegen den italienischen Staat aufgelehnt hat. Auch viele blutige Banditenraubzüge und die Blutrache prägen die Geschichte Orgosolos.

 

Mittlerweile hat sich Orgosolo zu einem Touristenort entwickelt. Ganze Busladungen werden vormittags dorthin gekarrt und mit Fremdenführen durch den Ort geleitet. Grund sind die 150 Wandmalereien, die das Unrecht in Sardinien, Italien und der ganzen Welt anprangern. Begonnen wurde mit den Wandmalereien Anfang der 60er Jahre. Sie sind noch voll erhalten und jedes Jahr entstehen neue. 

 

Wir machen uns am Dienstag auf den Weg nach Orgosolo. Es gibt zwei Straßen dorthin, die sehr kurvenreiche über Oliena und die zweite aus Richtung Nuoro, beides ist die Provinzstraße SP22.

 

Auf der Strecke aus Oliena, ideal für schwunghaftes Motorrad fahren, liegt immer wieder Sand auf der Straße, der von starken Regenfällen dahin gespült wurde. Es scheint sich niemand darum zu kümmern, den Sand zu entfernen. Plötzlich stehen wir vor einem ca. ein Meter hohen Sandhaufen, der die halbe Straßenbreite verstellt. Dass er schon sehr lange hier liegen muss, zeigt, dass er stark von Unkraut überwuchert ist.

 

Nach einigen Irrfahrten durch den Ort über enge steile Gassen, erreichen wir den Beginn der Murales-Straßen und können unsere Smarts auch nah abstellen. Wir machen uns auf den Weg, begleiten zu Beginn zwei geführte Besuchergruppen und machen uns dann selbst auf den Weg. Wir sind begeistert von den Wandmalereien, von den Inhalten, den Farben und dem Stil der Bilder und wie sie z.T. in die Architektur der Häuser eingebunden sind. Ein wahres Erlebnis, absolut sehenswert.

 

 

Am Mittwoch ist das Wetter sehr unbeständig. Mal scheint die Sonne mal tauchen plötzlich dunkle Wolken auf und es regnet. Ursprünglich hatten wir vor, am Nachmittag dem Ort Orosei einen Besuch abzustatten. Wir wollten alte Gassen und Häuser sehen, in Geschäften stöbern, uns in eine Bar setzen, um vorbeischlendernde Menschen angucken und am Ende eine Pizza essen. Daraus wurde nichts, denn bei dem Wetter ist uns die Lust dazu vergangen. So bleiben wir am oder im Womo, essen zuhause und ich habe die Gelegenheit mit der gewonnen Zeit den Blog zu aktualisieren.