Sardinien (2018)

 

Wir waren mit zwei Alpas mit jeweils einem Smart auf dem Hänger unterwegs. Unser Ziel war es Sardinien gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden, mit dem Wohnmobil auf einem Stell- oder Campingplatz zu stehen und mit dem Smart Ausflüge an sehenswerte Orte an der Küste oder im Landesinneren zu machen. Freies Stehen, so wie wir das vor 2 Jahren auf der Süditalien-Rundreise machten, war bei dieser Reise weniger vorgesehen.

 

Wir waren von Mai bis Juni 2018 auf der Insel 45 Tage unterwegs und haben mit dem Wohnmobil 1.100 km und mit dem Smart nochmal 2.150 km zurückgelegt. Ausgangs- und Endpunkt der Rundreise war der Fährhafen von Golfo Aranci.

 

Während der zweiwöchigen Pfingstferien in Bayern und Baden-Württemberg waren sehr viele deutsche Familien und ab Beginn der italienischen Sommerferien Mitte Juni verstärkt italienische Familen unterwegs.

 

Das ideale Fahrzeug für Sardinien ist ein Kastenwagen idealerweise mit einem Mopped oder Motorrad auf einer Plattform. In dieser Konstellation kann man alle Straßen, auch die im Landesinneren, leicht befahren. Die zweite Möglichkeit ist die von uns gewählte, ein Wohnmobil mit einem zusätzlichem PKW auf einem Anhänger oder Motorrad auf einer Plattform. In dieser Form kann man mit PKW oder Motorrad nicht nur zum Einkaufen fahren sondern vor allem Ausflüge in die nähere Umgebung oder ins Landesinnere machen. Ungünstig ist ein Wohnmobil ohne zusätzlichem Fortbewegungsmittel, da ist man einfach zu immobil. Fahrräder sind nicht sehr hilfreich, denn Campingplätze sind oft weiter entfernt von Ortschaften und Fahrradwege gibt es überhaupt nicht.

 

Die Menschen auf der Insel sind sehr nett und hilfsbereit. Wenn man über italienische Grundkenntnisse verfügt und sich nicht scheut beim Sprechen Fehler zu machen, kommt man leicht mit Einheimischen ins Gespräch. Man muss einfach nur auf sie zugehen und sie ansprechen. Uns ist es zweimal passiert, dass wir bei Ausflügen etwas orientierungslos waren, ich einen EInheimischen ansprach und der (einmal 2 Jungs und einmal ein Bauer) seinen PKW holte, solange vor uns herfuhr bis wir den Weg von alleine weiterfahren konnten. Ob soviel Hilfsbereitschaft ein Italiener in Deutschland erfahren würde, mag ich zu bezweifeln.

 

Wir haben in den 6 1/2 Wochen viel gesehen und einen sehr positven Eindruck von Sardinien erhalten. Wir werden mit Sicherheit wiederkommen, dann vielleicht im Spätsommer oder Herbst, wenn die meisten Touristen fort sind

 

Was uns alles so auffiel

Verkehr

  • Auf Sardinien ist relativ wenig Verkehr und je weiter man ins Landesinnere fährt umso weniger
  • Man muss auf asphaltierten Provinzstraßen immer mit Löchern im Belag rechnen
  • Zufahrten zu Campingplätzen oder Agriturismo sind oft nicht asphaltiert und in einem miserablen Zustand
  • Sardinien bietet ideale Motorradstrecken auf denen wenig los ist
  • Ansonsten gelten auch auf Sardinien meine Empfehlungen aus der Süditalienreise

Fähre

  • Ich bevorzuge den Fährhafen Golfo Aranci gegenüber Olbia. Er ist klein und übersichtlich. Allerdings wird er nur von Corsica/Sardinia Ferries angelaufen. In Golfo Aranci kann man sehr gut die erste und letzte Nacht auf einem Strandparkplatz in der netten Innenstadt übernachten.
  • Wenn man zeitlich unabhängig ist, bietet es sich an, die Rückfahrt auf der Fähre erst ein paar Tage vor der Rückreise zu buchen
  • Wir haben die Fähre bei Turisarda gebucht und würden es jederzeit wieder tun
  • Camping an Bord kann man auch auf der Cargo-Fähre von Moby buchen. Einfach mal nachfragen

Landschaft

  • Sardiniens Landschaft ist sehr abwechslungsreich und wunderschön
  • Es gibt viele versteckte Buchten, die nur von See aus erreichbar sind. Entweder man nutzt ein Ausflugsboot oder man mietet sich selbst ein Motorboot sofern man im Besitz eines Seeführerscheins ist.
  • Im Frühjahr und Frühsommer ist alles grün. Die riesengroßen Oleandersträuche und Bougainvilleas findet man überall und sie blühen in herrlichen Farben
  • Gelegentlich findet man Schildkröten, die seelenruhig über eine Straße wandern. Am Besten anhalten und das Tier an den Straßenrand tragen, damit es nicht überfahren wird

Übernachten

  • Stellplätze sind nicht so sehr verbreitet
  • Campingplätze öffnen zwischen Mitte April/Anfang Mai bis Mitte/Ende September
  • Es lohnt sich eine ACSI-Karte mitzubringen. So lassen sich die oft sehr hohen Preise auf Campingplätzen in der Nebensaison auf ein erträgliches Maß reduzieren.
  • Außerhalb der Hochsaison im Juli und August kann man vielerorts frei stehen. Trotz Verbotsschilder wird es meistens geduldet
  • Aufgefallen ist uns die Vielzahl von Agriturismo-Schildern auch in den entlegendsten Regionen

Einkaufen

  • Vor der Fährüberfahrt sollte man sich in einem großen Supermarkt mit Getränken und Lebensmitteln versorgen. In Livorno bietet sich der IperCoop im Einkaufszentrum Fonti del Corallo direkt an der SS1 (Via Aurelia) an. Dort ist ein sehr großer Parkplatz vorhanden, auf dem man auch mit Gespannen gut stehen kann
  • In Olbia auf Sardinien gibt es ein Einkaufszentrum mit einem Auchan-Supermarkt. Die Parkplätze sind beengt und in der Saison sollen dort osteuropäische Einbruchsbanden ihr Unwesen treiben und auf nicht bewachte Wohnmobile argloser Touristen warten
  • Auf Sardinien kann man Lebensmittel auf Wochenmärkten und in kleinen Läden und Supermärkten einkaufen. Verbreitet sind die Supermarktketten Eurospin, MD, Dettorimarket und Conad. Eurospin ist mit Lidl/Aldi vergleichbar, Conad mit Rewe/Edeka. Conad hat oft eine gut sortierte Frischfisch-Theke
  • Die Geschäfte haben auch sonntags geöffnet
  • Von 12:30 bis 17:00 haben Geschäfte und Tankstellen MIttagsruhe. Ausnahme sind größere Supermärkte, die durchgehend geöffnet haben

Essen

  • Sardinien ist touristisch gut ausgebaut und verfügt über viele Restaurants (gute und weniger gute). Als Fremder ist es hilfreich einen Einheimischen nach einem guten Lokal zu befragen, das auch er selbst nutzt
  • Auf Sardinien wird viel Fisch angeboten und das sollte man sich nicht entgehen lassen. Wer sich in der Nähe von Arbatax aufhält, sollte zum Ittiturismo gehen, das Restaurant der lokalen Fischervereinigung. Unser Erlebnis findet ihr hier.
  • Auf Sardinien gibt es sehr gutes Speiseeis sofern auf dem Schild "Gelateria Artigianale" (handwerkliche Eisdiele) steht. Die Preise sind höher als bei uns, oft liegen sie bei €3,50 für zwei Geschmacksorten.

Müll

  • Wir haben selten Müll auf Straßen vorgefunden. Auf jeden Fall weniger als in Süditalien und Spanien
  • Auf Sardinien wird die Mülltrennung sehr ernst genommen und praktiziert. Auf Campingplätzen gibt es fünf verschiedene Tonnen und jeder ist angehalten den Müll zu trennen. Wir haben auch erlebt, dass man nur zu bestimmten Zeiten unter Aufsicht Müll entsorgen konnte
  • Dass Plastiktüten an der Supermarktkette kostenpflichtig sind, ist ja normal. Plastiktüten in der Obst-und Gemüseabteilung müssen aus biologisch abbaubarem Kunststoff und kostenpflichtig (1 oder 2 Cent) sein. Wenn sie nicht für den Transport von Obst und Gemüse dienen, dann kosten sie 10 Cent. Plastikflaschen für alle möglichen Getränke kosten kein Pfand. Irgendwie ist die Plastikverordnung in Italien nicht ganz durchdacht.