Sizilien (2019)

Anreise

bis Genua und mit der Fähre nach Palermo

Sonntag, 03. bis Donnerstag, 07.03.2019

Ein Freitag mit Hindernissen

2 Tage vor unserer Abreise ist ein sehr stressiger Tag. Unser Wohnmobil und der Smart sind im März für die TÜV-Prüfung fällig. Die erste reguläre Möglichkeit für den Termin ist Freitag der 1. März. Ich bin mit beiden Fahrzeugen nacheinander dort. Beim Wohnmobil ist alles in Ordnung aber beim Smart bekomme ich wegen eines ausgeschlagenen Gelenks an der Vorderachse keinen Stempel. Der Smart muss unbedingt mit nach Sizilien für Ausflüge in die Berge, aber ohne TÜV und in dem Zustand macht das überhaupt keinen Sinn. Eine Reparatur am Freitag Nachmittag vor dem Faschingswochenende erscheint mir nicht realisierbar und die Fähre in Genua startet am Mittwoch.

 

Mit großer Enttäuschung, Frust und Ratlosigkeit fahre ich nach Hause. Ich halte noch kurz bei der kleinen Werkstatt in unserem Ort an und berichte von meinem Problem. Es ist halb 4 kurz vor Feierabend. Der Smart kommt auf eine Hebebühne, um den Schaden zu begutachten. Nach einem Telefonat mit einem Lieferanten geht es plötzlich ganz schnell. Während ein Mitarbeiter ins 15 km entfernte Aschaffenburg fährt, um das Ersatzteil zu holen, schraubt ein anderer das Radgelenk auseinander. Das neue Gelenk wird eingebaut und um halb fünf fahre ich mit repariertem Smart nach Hause. Am nächsten Morgen bekomme ich den ersehnten TÜV-Stempel. Es ist doch schön, wenn man hilfsbereite Menschen kennt, die das unmöglich Erscheinende möglich machen.

Frühstück mit Freunden

Am Abreisetag trinken wir morgens in der Regel nur einen Kaffee, da wir immer noch viele Kleinigkeiten ins Womo packen müssen. Unsere Freunde Christiane und Jürgen wollen uns eine Freude bereiten und haben uns zu einem ausgiebigen Frühstück eingeladen. Wir genießen es sehr und gut gestärkt verabschieden wir uns nach zwei Stunden. Dann noch den Rest gepackt und schon geht es los. Die Fahrt zum ersten Übernachtungsplatz beim Fallerhof in Bad Krozingen dauert 3,5 Stunden und anschließend gehen wir dort essen.

Über die Alpen

Die Nacht zum Montag ist nicht besonders ruhig. Die nahe Autobahn hören wir deutlich und gegen morgen kommt ein heftiger Sturm auf, der unser mobiles Heim ganz schön ins Wanken bringt. Wir haben es mit der Abfahrt nicht eilig, es regnet mal mehr mal weniger. Kurz vor dem Gotthardtunnel geht der Regen in Schneeregen über. Wir haben es schon öfters erlebt, dass man bei schlechtem Wetter in den Tunnel einfährt und bei der Ausfahrt die Sonne entgegen lacht. Diesmal mitnichten, es schneit. Wir fahren bis Como zum übernachten und dort kommt die Sonne wieder zum Vorschein. Ich laufe noch ins nahe Einkaufszentrum und hole mir eine italienische SIM-Karte für den mobilen Router, 40 GB im LTE-Netz (davon 20GB von 0:00 bis 8:00) für sagenhafte 13€ pro Monat. Solch günstige Tarife würde ich mir auch in Deutschland wünschen.

Zwischenstopp in Alessandria

Die Entfernung zwischen Como und dem Hafen von Genua beträgt lediglich 210 km. locker zu schaffen in 3 Stunden, aber wir haben dafür 2 Tage Zeit. Somit steht noch eine Zwischenübernachtung an, aus Sicherheitsgründen möglichst nicht nahe der Autobahn. Wir entscheiden uns für die Stadt Alessandria. Da gibt es in der Nähe eines Sportflugplatzes einen Parkplatz, auf dem von Einheimischen z.T. sehr alte Wohnmobile und PKWs abgestellt werden und der auch von Wohnmobil-Durchreisenden genutzt werden darf. Gegenüber befindet sich ein eigenartiges großes Gebäude, das von weitem wie eine Bauruine aussieht. Tatsächlich ist es ein überirdischer Friedhof.

 

Am Abend gehen wir für eine Pizza in ein nahe gelegenes Restaurant, das nur von Einheimischen besucht wird.

Die letzten 90 km bis Genua

Da es bis Genua nur noch 90 km sind, beschließen wir im besagten Restaurant zu Mittag zu essen. Es gibt dort ein Menu mit Vorspeise, Hauptgericht, Beilage, Mineralwasser und einem Espresso für 10€. Wir wählen zuerst Tortiglioni und Gnocchi und danach panierte Sardinen mit Ratatouille. Es war reichlich und sehr lecker.

Die Autobahnstrecke nach Genua über den Apennin ist sehr eng und kurvig. Das hält aber viele Fahrer von Sattelschleppern nicht davon ab ein regelrechtes Rennen mit vielen Überholmanövern zu veranstalten. Wir machen uns auf der rechten Spur möglichst klein um ja nicht in einen Unfall verwickelt zu werden. Denn wenn so was passiert, dann ist auf der Autobahn für Stunden kein Durchkommen mehr möglich. Mir ist die italiensische Fahrweise nicht fremd, aber sowas habe ich bisher noch nicht erlebt. Auch in Genua ist alles eng und wir sind echt froh als wir im Hafen ankommen.

 

Kurz vor 4 Uhr kommen wir im Hafen an und es doch noch viel zu früh. Wir müssen an einer Ausweichstelle bis halb 6 warten, erst dann wird abgefertigt. Im nachhinein betrachtet, hätte es völlig ausgereicht, erst gegen 19:00 einzutreffen.

Die Fähre erreicht die Mole gegen 21.00. Dann beginnt ein hektisches Treiben. Auf der Fähre werden kaum komplette Sattelzüge transportiert sondern nur die Auflieger. Vielleicht ein Dutzend spezielle Zugmaschinen beginnen die Auflieger aus dem Schiff zu entladen. Sie brausen mit einer abenteuerlichen Geschwindigkeit in das Schiff rein, kommen beladen wieder raus, stoppen kurz und erhalten Instruktionen, wo der Auflieger abgestellt werden muss. Ein tolles Schauspiel. Als das beendet ist geht es in umgekehrter Reihenfolgen mit den Aufliegern, die ins Schiff rein müssen. Parallel hierzu dürfen die PKWs ins Schiff und ganz am Ende Wohnmobile, LKWs und Busse.

 

Die Fähre ist bei weitem nicht ausgebucht. Ich schätze dass vielleicht 200 Passagiere an Bord sind. Wir beziehen mit den Hunden unsere Kabine.

Kurz vor 23:00 legt die Fähre ab. Ich stehe auf dem Deck in der 8. Etage und genieße das abendliche Panorama von Genua

Überfahrt nach Palermo

Wir können lange nicht einschlafen, da Cheevi jedes Geräusch im Flur kommentieren muss. Ich stehe x-mal auf, um ihn zurecht zu weisen und bin erheblich genervt. Schließlich packe ich ihn und lege ihn auf mein Bett zu meinen Füßen. Endlich beruhtigt er sich und wir können einschlafen.

 

Die Überfahrt dauert 20 Stunden. Solange waren wir noch nie auf einem Schiff. Es ist ziemlich langweilig, denn an Deck ist es kalt und windig. Wir bleiben die meiste Zeit in der Kabine, lesen etwas im Reiseführer und machen ein Nickerchen. Kurz vor der Ankunft in Palermo gegen 19:00 genießen wir einen schönen Sonnenuntergang.

 

Bereits 1,5 Stunden vor der Ankunft müssen wir die Kabinen verlassen, da das Personal dann mit der Reiigung der Kabinen beginnt. Irgendwann fahren wir mit dem Aufzug auf das Garagendeck und warten dort auf die Öffnung der Garagentüren.

Verkehrschaos in Palermo

Die Ausschiffung geht schnell von statten und schon landen wir im Verkehrschaos von Palermo, parkende Autos in 2. Reihe, Motorroller die auf beiden Seiten sich durchzwängen und Autos die sich von rechts und links dazwischen drängeln. Wir haben nur 7 Kilometer bis zu unserem Stellplatz zurückzulegen und sind froh diese Strecke mit dem Gespann unbeschadet überwunden zu haben. Unser Übernachtungsplatz befindet sich am Fuße eines Berges wo sich hoch oben das hell erleuchtete Schloss "Castello Utveggio" befindet.

 

Wir bestellen noch schnell zwei gut belegte Pizzen (4€ das Stück), die uns ein Bote per Fahrrad an das Wohnmobil bringt. Hinterher machen wir uns noch einen Espresso und trinken einen Grappa.

 

Wir sind auf Sizilien angekommen. Unsere Reise kann beginnen!

Route der Anreise