Spanien (2016)

Calnegre

Tag 15: Montag 25.01.2016

 

Man sollte niemals den Tag vor dem Abend loben! Wir verbrachten ganz alleine eine sehr ruhige Nacht auf dem Parkplatz in La Azohia. Am Morgen während des Frühstücks klopfte es an unsere Tür. Ein Anwohner bat uns mit netten Worten nicht länger stehen zu bleiben. Nicht dass wir ihn gestört hätten, sondern er befürchtete, dass durch unsere Anwesenheit sich noch mehr Wohnmobile dazugesellen würden und dann müsste er von seinem Balkon aus ständig auf viele Wohnmobile gucken. Als Gäste sind wir seiner Bitte gerne nachgekommen und entschuldigten uns.

 

Die Ziegenwiese ist nichts für uns

Gegen 11:00 brachen wir auf und fuhren über Puerto de Mazarrón in Richtung Calnegre. Unser Weg führte durch hier typische plastikverhüllte Obstplantagen. Ich verpasste irgendwo eine Kreuzung und wir fuhren immer weiter in Richtung Strand. Plötzlich tauchten vor uns jede Menge frei stehende Wohnmobile auf einem wilden Gelände auf. Wir fuhren rauf, ich hielt an und fragte einen der Wohnmobilisten wo wir hier seien. Es war die berühmt berüchtigte Ziegenwiese! Die kennt wohl jeder Spanienfahrer, wir jetzt auch. Ich schätze, dass da so ca. 80 Fahrzeuge standen, Deutsche, Franzosen, Engländer, Holländer, alles bunt gemischt. Manche bleiben nur ein paar Tage, andere stehen wochenlang. Es gibt Mülleimer, ein Loch mit Deckel für die Entsorgung und zum Frischwasser holen, fahren sie an die Tankstelle in den nächsten Ort. Sie fühlen sich sehr sicher, da die Polizei immer wieder kommt, um nach dem Rechten zu sehen. So ganz unser Ding war das nicht, einfach zu viele Fahrzeuge.

 

Wir fuhren dann weiter und ein paar Kilometer entfernt fanden wir an der mit Pfählen abgesperrten Playa Calnegre eine Straßenbucht wo wir uns für die Nacht hinstellten. Wir machten dann mit den Hunden einen ausgiebigen Strandspaziergang, sie genossen es sehr. Zum Abendessen gab es Würstchen mit Kartoffelsalat, wir machten den Fernseher an (es lief Wiso) und wir wollten einen geruhsamen Abend verbringen. Um Mitternacht wollten wir einen Flasche Sekt köpfen und meinen Geburtstag feiern. Aber der Abend sollte vollkommen anders verlaufen!

 

Furchtbares Pfeifen im Wohnmobil

So um acht Uhr ertönte in unserem Wohnmobil ein hochtöniges Dauerpiepen. Es klang wie ein starker Tinnitus und war unerträglich. Ich kenne das und bin gut im Verdrängen, aber Gaby hörte das auch zur gleichen Zeit. Piepen klingt wie ein Warnsignal, aber was war das? Wir gingen nach draußen, da war nix, nur innen drin. Ich fing an, die verschienen Systeme auf Fehler zu überprüfen, holte alle Bedienungsanleitungen raus, fand aber nichts. Wir waren völlig ratlos.

 

Um neun Uhr schrieb ich dann per Facebook-Chat Ernst Portmann an, er war meine letzte Hoffnung. Ernst besitzt auch einen Alpa, den er sehr gut kennt, ein kompetenter Fachmann für das Fahrzeug. Ernst war zum Glück online. Er fing ganz strukturiert an alle Systeme mit mir einzeln zu prüfen, kein Ergebnis, es piepte weiter und war unerträglich. Nach 2 Stunden hatte nur noch die Idee, die Batterien abzuklemmen. Das ist sehr aufwändig, denn dafür muss man den Beifahrersitz komplett ausbauen und das im dunkeln. Parallel zu unserem Chat, hatte er im FB-Forum für Alpa-Fahrzeuge einen Hilferuf gestartet. Als ich um 23:00 in den Post reinging, waren schon 53 Beiträge vorhanden. Ich muss sagen, diese Community ist sehr erfahren und hilfsbereit. Es stand die Vermutung im Raum, dass die Stellmotoren, aus deren Bereich wir das Piepen vermuteten, die Ursache sein könnte. Das sollte dann auch aufhören, wenn die Sicherung entfernt wird. Die Bedienungsanleitung vom Fahrzeug gibt aber leider keine Auskunft darüber, welche Sicherung wofür zuständig ist. Also kroch ich kurz vor Mitternacht mit der Taschenlampe unter dem Fahrersitz und zog jede einzelne Sicherung heraus. Es piepte aber weiter. Wir waren mit unserer Weisheit am Ende und gaben gemeinsam mit der Facebook-Gruppe die weitere Suche auf. Wenn das so weiter geht, dann müssen wir die Reise abbrechen. Wir waren völlig fertig.

 

Es war kurz nach Mitternacht, wir gossen uns den Sekt ein, gingen nach draußen, hörten nur noch das Meeresrauschen bei sternenklarem Himmel und Vollmond. Ach wie schön! Um ein Uhr gingen wir ins Bett, konnten aber gar nicht einschlafen. Um viertel vor zwei sprang Gaby auf und rief "Das Piepen ist weg!!!" Wie bitte? Ich konnte es nicht glauben. Und tatsächlich, es war weg, wie von Geisterhand. Wir standen auf und ich postete noch schnell die frohe Botschaft an Ernst und die Facebook-Gruppe.

 

Ja was war das denn nun? Wir erinnerten uns, dass wir in den Neunzigern zu Hause oft aus dem Heizkörper Radio hören konnten. Das lag daran, dass am Ortrand der Evangelische Rundfunk über eine riesige Antennenanlage in die Welt verbreitet wurde. Viele Einwohner hatten dieselben Probleme und beschwerten sich bei der Gemeindeverwaltung. Es wurde erreicht die Verstärkerleistung des Senders zu reduzieren und die Situation besserte sich. Heute ist die Anlage abgebaut und es herrscht Ruhe.

 

Was sagt uns nun dies in unserem Fall? Irgendwer hat wohl einen starken Sender eingeschaltet, der unsere Elektronik irgendwie beeinflusste. Anders kann ich mir das nicht erklären. Wahrscheinlich hätte es gereicht, wenn wir noch in der Nacht weitergefahren wären, damit das Piepen aufhört. Aber wer kann das schon ahnen?

 

 

Wir haben dann erstmal lange ausgeschlafen, waren aber am nächsten Tag immer noch gerädert. Wir fuhren 2 km weiter auf einen Stellplatz und da erholen wir uns von dem Stress.