Süditalien (2016)

Tyrrhenische Küste von Kalabrien

Montag, 17. bis Freitag, 21.10.2016

Auf unserem Übernachtungsplatz in Gallico Marina saßen von morgens bis abends, mit Ausnahme der langen Mittagspause, ältere Männer aus dem Dorf auf dem Mäuerchen und diskutierten. Mit einem der Männer komme ich ins Gespräch und er erzählt, dass er auch 10 Jahre lang mit einem Wohnmobil rumgereist ist, bis es ihm eines Tages gestohlen wurde.

 

Am Sonntag Abend haben wir Lust auf Pizza. Ich gehe in ein nahegelegenes Lokal, um eine Pizza zu bestellen und nach Hause zu bringen. Bei der Größe der Pizzen reicht eine für uns beide. Während der Wartezeit unterhalte mich mit dem Besitzer. Er ist in Deutschland geboren, spricht aber kein Deutsch. Am Ende bezahle ich für die Pizza mit rohem Schinken, Ruccola und Parmesanspalten 5 statt 8€. Und lecker war sie.

 

Die Fähre nach Sizilien ist nur ein paar Kilometer entfernt. Den ursprünglichen Plan rüber zu setzen haben wir mittlerweile aufgegeben. Wir wollen Sizilien bei einer der nächsten Reisen ausgiebig erkunden.

Abenteuer in engen Gassen

Am Montag geht es für uns weiter der kalabrischen Küste entlang in Richtung Norden, vorbei an der Spitze Siziliens, durch Scilla und in Bagnera Calabra wollen wir am Strand stehen bleiben. Der Weg durch den Ort mit seinen engen Straßen ist ein großes Abenteuer und Herausforderung. Rechts und links bis in die Kreuzungen parken Autos. Als ich dann auch noch in einer Gasse wegen ihrer Enge stecken bleibe, muss ich rückwärts mit Hänger zurück über die Kreuzung. Alle anderen Auto warten geduldig, keiner hupt, es würde eh nichts ändern. Dann verhakt sich beim Abbiegen das Rücklicht meines Hängers im Kotflügel eines Kleinlasters. Da die Halterung aus Gummi ist, kann sie Gaby raus biegen, während ich millimeterweise vorwärts fahre.

 

Als wir endlich am Strand ankommen, stellen wir fest, dass die ganze Mühe umsonst war, es gefällt uns überhaupt nicht. Nichts wie weg. Bagnara Calabra liegt an einem Hang und um da raus zu kommen, führt die Straße in steilen Kehren durch den Ort, die ich im zweiten und z.T. im ersten Gang fahren muss. Neues Ziel ist Gioia Tauro, eine Hafenstadt mit einem großen Strand und einer ellenlangen Strandpromenade. Wir finden eine Ecke mit Grasfläche, richten uns dort ein und erholen uns nach der anstrengenden Fahrt.

 

Zwei Hunde zu Gast

Am Strand laufen zwei junge Hunde rum. Nachdem Cheevi und Negri angeleint sie erstmal heftig anbellen, lassen wir sie los und nach dem Beschnuppern ist alles in Ordnung. Die beiden Hunde kommen dann zu unserem Wohnmobil und legen sich vor unsere Matte. Gaby holt reichlich Hundefutter und Wasser und stellt es ihnen hin. Im Nu ist alles alle.

 

Heute genießen wir wieder einen herrlichen Sonnenuntergang.

 

Nach Einbruch der Dunkelheit fahren die Einheimischen im Autokorso die Promenadenstraße entlang, drehen am Kreisel neben uns und fahren wieder zurück. Und das machen sie jeden Abend. Schon eigenartig.

Wir bleiben in Gioia Tauro zwei Tage. Am Mittwoch morgen meldet unser Kühlschrank Gas-Ausfall. Es ist zum Glück kein Defekt, lediglich die angeschlossene Gasflasche ist leer und die zweite Flasche nicht angeschlossen. Wir beschließen die leere Flasche umgehend aufzufüllen, was in dieser Stadt bei einer Gasfüllstation möglich ist.

 

Wir fahren auf der SS18 weiter nach Norden etwas entfernt von der Küste in einer Höhe zwischen 400 bis 600 Meter. Irgendwann geht es abwärts nach Tropea, eine schöne Stadt, die direkt am Meer auf einem Felsen gebaut ist.

 

Die Bahnlinien in Süditalien fahren immer in Küstennähe und so muss man sie immer wieder über- oder unterqueren.

 

Fahrabenteuer Tropea

Am Rand von Tropea stehen wir plötzlich vor einer Bahnunterführung von 2,30m. Über einen Meter zu niedrig für uns. Zum Glück müssen wir nicht drehen und können direkt vor dem Hinderniss eine andere Straße nehmen, die irgendwo über die Bahnlinie führt und uns von einer anderen Seite nach Tropea führt.

 

Wir machen in Tropea nur zwei kurze Fotostopps und erkennen, dass ein längerer Aufenthalt hier für unser Gespann kaum möglich ist. Also nichts wie raus. Der Weg führt uns erstmal steil nach oben auf den Felsen, dann stehen wir am Ortsrand vor einem Verbotsschild 2,8t und müssen wieder rein in die Stadt. Dort stehen wir dann wieder vor der zu niedrigen Bahnunterführung, diesmal auf der anderen Seite. Also umdrehen und durch enge Gassen runter vom Berg und schließlich landen wir wieder auf der Straße über die wir hierher gekommen sind. Wir haben es geshafft.

 

Atempause in Briatico

Ziemlich geschafft und froh den zweiten Tag hintereinander alle Engstellen ohne Schaden überwunden zu haben, wollen wir nur noch einen Übernachtungsplatz in der Nähe ansteuern. Die Wahl fällt auf einen Parkplatz am kleinen Fischerhafen von Briatico, der von einem teils verfallenen Sarazenischen Turm gekrönt wird. Wir machen erstmal einen Spaziergang mit den Hunden am Strand, was wir alle genießen. Am Abend, wie überall hier unten im Süden, kommen Autos angefahren, parken am Strand oder Parkplatz, die Leute bleiben im Auto sitzen und gucken aufs Meer. Wir sind das einzige Wohnmobil hier und genießen eine ruhige Nacht.

Am Donnerstag schlägt das Wetter um, eine Gelegenheit weiter zu fahren. Die Küste wird schmaler, Strand, Bahnlinie, Staatsstraße, Autobahn und dann kommt das steile Gebirge. Wir durchfahren viele Urlaubsorte mit geschlossenen Hotels und Campingplätzen. In Amantea füllen wir beim Lidl unsere Vorräte auf und finden in Torremezzo di Falconara am Ende der langen Strandpromenade einen Platz auf einer Wiese. In Sichtweite von uns verläuft die Bahnlinie von Neapel nach Reggio Calabria, auf der wir einen roten Hochgeschwindigkeitszug erspähen können. Der Zugverkehr stört uns nicht weiter und wir schlafen prächtig.

Am Freitag ist wieder schönstes Wetter. Wir wollen einen Tag ausspannen. Gegen Mittag kommt ein älteres italienisches Paar mit ihren beiden Hunden an den Strand. Cheevi, der schon seit dem Morgen hier frei rumläuft, knüpft gleich mal Bekanntschaft mit den beiden Hunden. Ich gehe zu den Leuten hin und parliere. Sie erzählen mir, dass die Gemeinde hier Falconara Albanese heißt und die Menschen albanisch sprechen. Ihre Vorfahren sind vor Jahrhunderten aus Albanien hierher geflüchtet, als die Türken ihre Heimat verwüsteten. Dann schenken sie mir 3 frischgepflückte Zitronen aus ihrem Garten.

 

Außerdem empfehlen sie mir in die Sila (das Gebirge hinter uns) zu fahren, denn in Camigliatell Sileno auf 1.500 Meter findet dieses Wochenende die Sagra dei Funghi (Fest der Pilze) statt. Da werden wir morgen hinfahren und berichten.