Süditalien (2016)

Auf der Via Appia Richtung Rom

Sonntag, 30.10. bis Donnerstag, 03.11.16

Nach 5 Tagen wollten wir Cava de' Tirreni endgültig verlassen. Wir konnten in der Zeit Pompei und Ercolano nicht besuchen, das holen wir aber bei der nächsten Italienreise nach. Nach der Ver- und Endsorgung überkommt mich urplötzlich das Bedürfnis, das Womo zu waschen. Der graue Schleicher und die ganzen Dreckspritzer müssen weg. Dann noch schnell mit dem Smart in die Stadt Bargeld tanken und anschließend kommt der Smart auf den Hänger was immer reibungsloser läuft.

Wir fahren über die Autobahn nach Neapel und quer durch. Für einen Sonntag ist viel Verkehr und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das an einem Werktag aussieht. In Pozzuoli fahren wir von der Autobahn ab und direkt an den Strand.

Auf der Suche nach dem Strand

Ich hatte in Google Maps eine Möglichkeit gesehen, dort frei am Strand stehen zu können. Die Wirklichkeit sieht aber ganz anders aus. Ein geschlossener Beachclub neben dem anderen und keine Möglichkeit an den Strand zu kommen. Wir landen in einer Sackgasse und müssen umdrehen.
Wir fahren dann weiter nordwärts, kilometerweit dasselbe Bild, keine freien Strände. Irgendwann haben wir von der Sucherei die Nase voll und fahren auf die Fernstraße SS7. Ich gebe in das Navi die nächste größere Stadt ein, Mondragoni. Kurz nach dem Orteingang sehen wir das Schild "Porto". Kurzentschlossen biegen wir ab und kommen auf eine schöne und sehr lange Strandpromenade und dahinter ein sehr breiter freier Strand. Viele Einheimische verbringen hier den Sonntag Nachmittag. Und plötzlich ist er da, ein großer Parkplatz mit Rasen, unser Stellplatz für heute oder auch länger. 

Sonne tanken

Am Montag ist ein Ruhetag für uns, das Wetter ist bestens und wir stehen gut mit dem Wohnmobil. Wir gehen am Vormittag in die Stadt, aber viele Geschäfte sind geschlossen. Eine Barfrau sagt mir, dass wegen des morgigen Feiertags viele einen "Ponte" (Brückentag) nahmen. Wir trinken einen sehr guten Cappuccino für €1.

Am Nachmittag nehmen wir die Liegestühle und gehen an den Strand. Cheevi freut sich, kann er doch frei rumtoben und einige der vielen freilaufenden Hunde des Strandes verweisen. Sobald die Eindringlinge die Straße erreicht haben, kehrt Cheevi freudig gestimmt wieder zu uns zurück. Ich gehe mit den Füssen ins Wasser, es ist merklich kälter als noch vor ein paar Tagen weiter südlich. Cheevi folgt mir und macht sich tatsächlich die Füsse nass. Er will Wasser trinken, aber es schmeckt ihm doch nicht.
Später tauchen mehrere Männer auf, die Stangen mit Nummern entlang des Standes im 10 m Abstand setzen und ein Absperrband dazwischen hängen. Auf meine Frage hin teilen sie mir mit, dass später die Italienmeisterschaft der Amateurfischer hier stattfindet. Welches die Kriterien des Wettbewerbs sind, erschließt sich mir nicht so richtig. Zwei Stunden später tauchen jede Menge Angler mit viel Equipment auf und beginnen den Wettbewerb, der bis in die einbrechende Dunkeheit dauert..
Einsam am Strand
Einsam am Strand

Am Dienstag fahren wir gemütlich weiter. Viele Sonntagsfahrer sind bei bestem Sonnenwetter an Allerheiligen auch unterwegs. Wir kommen an Gaeta vorbei, einer Stadt, die auf einer hügeligen Landzunge liegt. Gerne würden wir sie uns näher ansehen, aber leider finden wir keine Möglichkeit unser Gespann irgendwo abzustellen.

 

Touristische Empfehlung einer Lidl-Mitarbeiterin

In Fondi kommen wir per Zufall an einem großen Lidl vorbei. Wir sind fast die einzigen Kunden und so unterhalte ich mich mit der Kassiererin. Sie sagt mir, dass wir uns unbedingt den Garten von Ninfa in der Nähe von Latina und den Ort Sermoneta ansehen sollten. Dieser botanische Garten wurde von der New York Times als einer der romantischsten Gärten der Welt bezeichnet. Sermoneta liegt auf einem Ausläufer des steilen Südabhangs der Monti Lepini und hat einen historische Ortskern mit einer Burg. Damit ich die Namen dieser beiden Sehenswürdigkeiten nicht vergesse, schreibt  mir die Lidl-Mitarbeiterin die beiden Namen auf der Rückseite unseres sehr langen Kassenbons. Wir fahren anschließend an die Küste auf einen Parkplatz direkt am Strand.
 
Für Mittwoch ist Regen angekündigt, aber der Wetterbericht irrt zu unserem Glück. Wir packen unsere Legestühle aus und begeben uns an den leeren Strand, der hier aus schwarzem Sand besteht. Cheevi kann wieder frei rumtoben. Am frühen Nachmittag fahren wir los, um uns den Garten von Ninfa anzusehen und dort evtl. auf dem Bus-Parkplatz zu übernachten. Wir fahren auf der Via Appia, die hier mehr als 30 Kilometer kerzengerade verläuft und mit Bäumen gesäumt ist. Rechts und links befinden sich Obstplantagen. Hier rund um Latina in der pontinischen Ebene ist das Zentrum des italienischen Kiwi-Anbaus.
 

Alles geschlossen. Und nun?

Wir kommen an dem Parkplatz des Garten von Ninfa an und der ist mit einem schweren Metalltor verschlossen. Ich parke auf der Straße, laufe vor zum Eingang und muss leider feststellen, dass der Garten nur am Samstag und Sonntag geöffnet ist und jetzt auch die Winterpause begonnen hat. Ich drehe unser Gefährt auf engstem Raum um (wow, ich werde immer besser) und wir fahren erstmal zurück durch die ellenlangen Kiwi-Plantagen, biegen irgendwo ab und kommen an einer großen Tankstelle mit LKW-Parkplätzen vorbei. Ich tanke erstmal und frage den Tankwart, ob wir hier übernachten könnten. Er erlaubt es uns und gibt noch den Tipp, uns nicht auf einen LKW-Parkplatz zu stellen, sondern hinter einer Baumreihe, da wären wir völlig ungestört und von der Straße nicht einsehbar. Wir schlafen sehr ruhig und mit einem absolut sicheren Gefühl.

Am Donnerstag gegen 7:00 fängt es heftig an zu regnen. Wir hatten uns schon überlegt, den Smart abzuladen und damit nach Sermoneta zu fahren, um uns den Ort anzusehen. Das Womo hätten wir an der Tanke stehen lassen. Dieser Plan ist nun buchstäblich ins Wasser gefallen.

 

Also fahren wir los, unser Ziel ist ein freier Stellplatz bei Civitavecchia. Es geht erstmal an den Stadtrand von Rom auf uns nicht durchschaubaren holprigen Straßen, aber die Tussi vom Navi muss sich dabei wohl was gedacht haben. Ein paarmal weigern wir uns mit Erfolg in schmale Straßen abzubiegen. Kurz vor Rom hört der Regen auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Wir fahren auf den bestens ausgebauten Autobahnring in Richtung Flughafen Fiumicino und dann weiter die Autobahn nach Civitavecchia. Eine Erholung für uns und das Fahrzeug.

 

Großer Schreck, wir hängen in der Luft

In Civitavecchia müssen wir eine kleine Straße zu der Terme della Ficoncella fahren. Dort sehen wir schon Wohnmobile stehen, aber der Weg dorthin ist abenteuerlich. Bei der Abzweigung gibt es reichlich heraus gebrochene Asphaltstücke. Ich bleibe stehen, steige aus und analysiere erstmal ausgiebig die Situation und glaube einen Weg gefunden zu haben. Mit einem unguten Gefühl fahre ich los und ... bleibe hängen. Das rechte Hinterrad steckt in einem Loch und das vordere linke Rad ist in der Luft.
Ein Einheimischer kommt vorbei und wir überlegen gemeinsam eine Lösung. Erst legen wir herumliegende Steine und Platten unter das Vorderrad, vergeblich. Dann wird der Smart abgeladen und der Anhänger abgehängt. Ich probiere es nochmal rückwärts mit Differenzialsperre raus zu fahren, wieder nix. Vier italienische Wohnmobilisten kommen vorbei und helfen von vorne zu schieben und tatsächlich bewegt sich das Womo und ich stehe wieder auf der Straße. Schreck lass nach! Die Italiener zeigen mir jetzt noch eine 2. Einfahrt zwischen zwei Bäumen. Das klappt dann ohne Probleme. Wir suchen uns einen freien Platz in der Sonne mit Blick auf die Kreuzfahrtschiffe im Hafen, holen die Stühle raus, gönnen uns erstmal ein Bier und freuen uns diese brenzlige Situation ohne Schaden gemeistert zu haben.