Süditalien (2016)

 

Unser Ziel war es Italien zu umrunden mit einem Abstecher nach Sizilien. Auf Sizilien haben wir verzichtet, da diese Insel so viele Sehenswürdigkeiten bietet, dass man sich dafür ausreichend Zeit nehmen sollte. Wir werden Sizilien bei einer gesonderten Reise erkunden.

 

Wir waren 64 Tage von September bis November unterwegs und legten 5.543 km zurück. Wir haben Italien an der Küste von Rimini bis La Spezia umrundet und standen zu 2/3 frei an einem Strand. Ab Oktober sind in Italien die meisten Stell- und Campingplätze geschlossen. Uns macht das nichts aus, aber wer mit freiem Stehen ein Problem hat, dem empfehlen wir nicht zwischen Oktober und April nach Süditalien zu fahren.

 

Wir haben uns überall sicher gefühlt und dass man wie in jedem Land auf Autobahnparkplätzen nicht übernachten sollte, das sollte jedem bekannt sein.

 

Im Gegensatz zu Spanien sind in Süditalien wenige Wohnmobile unterwegs. Und die unterwegs sind, sind meistens Italiener. Man findet in der Nebensaison überall einen freien Übernachtungsplatz, auf dem man auch länger stehen kann. Wir standen meistens an frei zugänglichen Strandabschnitten.

 

Wenn man mit einem Kastenwagen unterwegs ist, dann kommt man überall hin. Aber wenn man ein etwas größeres Wohnmobil hat, dann ist das schwieriger. Fahrräder bringen nicht viel, viel sinnvoller ist die Mitnahme eines Rollers oder PKWs.

 

Wir hatten einen Smart dabei und waren dadurch unabhängig. Wir konnten zum Einkaufen oder einem Restaurant fahren und Städte und Orte besuchen, in die wir mit dem Wohnmobil nicht hingekommen wären. Wir hatten nie ein ungutes Gefühl, das Wohnmobil mit Anhänger für mehrere Stunden unbeaufsichtigt zurückzulassen.

 

Wir haben viele nette Einheimische kennengelernt. Sie sind freundlich, sehr aufgeschlossen, hilfsbereit und man kommt schnell ins Gespräch, wenn man deren Sprache spricht oder zumindest versucht italienisch zu sprechen. Gerade im Süden sprechen die Menschen nicht so oft eine Fremdsprache. Wir haben die italienische Küche und hervorragende Pizzen schätzen gelernt. Wie überall gibt es auch in Italien weniger gute Lokale. Am Besten geht man in ein Restaurant, das von vielen Italienern besucht wird. Ich habe oft einen Einheimischen nach einem guten Lokal befragt.

 

Wir haben sehr viel gesehen, wenn auch lange nicht alle Sehenswürdigkeiten. Macht nichts, wir waren nicht das letzte Mal in Süditalien.

 

Was uns so aufgefallen ist

Dies sind Eindrücke, die wir auf unserer Route durch Süditalien gewonnen haben. Es gibt sicherlich Regionen in Italien, auf die unsere Beobachtungen nicht zutreffen.

 

Verkehr

  • Die Fernstraßen (SSnn)  sind sehr unterschiedlich ausgebaut, mal 4-spurig wie eine Autobahn und mal so eng, dass es bei einem entgegenkommenden LKW schwierig wird
  • Viele nicht frisch asphaltierten Straßen haben Risse oder bis zu 5 cm tiefe Löcher, insb. in den Ortschaften. Gullideckel sind oft nicht bündig mit dem Asphalt
  • An der Adria entlang kann man auf die Autobahn verzichten. Die SS16 ist gut ausgebaut. Ausnahme der Großraum Rimini, endlos Kreisel und Ampeln
  • Festinstallierte Blitzer werden in Italien immer durch Schilder angekündigt, mobile Blitzer konnten wir keine entdecken
  • Man überholt auch bei durchgezogenen Linien, Hauptsache es passt
  • Vor Baustellen ist oft eine Geschwidgigkeitsbegrenzung von 20, 30 oder 40 kmh angezeigt auch wenn keiner arbeitet. Kein italienischer Autofahrer hält sich an diese Geschwindigkeitsbegrenzungen
  • Scooter sind überall unterwegs und überholen rechts und links, auch wenn es eigentlich nicht passt. Aber es wird passend gemacht
  • An Kreuzungen und Einmündungen muss man einfach reinfahren, die anderen geben dann nach
  • Einfahrten an Schnellstraßen und oft auch Autobahnen sind sehr kurz, so dass man oft stehen bleiben muss
  • Tankstellen
    • Die Preise sind sehr unterschiedlich
    • Die durchaus günstigste Marke ist Q8Easy
    • An vielen Tankstellen gibt es Säulen ohne (Fai da té) und mit Service (servito), Preisunterschied von 10 bis 34 Cent pro Liter, die preiswerten Säulen sind oft ganz hinten
    • An den meisten Tankstellen wird per Automat bezahlt, bar (vorher Geld einwerfen, keine Rückgabe) oder per Karte. Manchmal werden Chip-Karten nicht akzeptiert
  • In Süditalien ist der Smart sehr verbreitet, mehr als der Fiat 500

Bevölkerung

  • Sehr nett, freundlich und hilfsbereit
  • Gassigehen läuft oft so ab: mit dem Auto an den Strand, Tür auf, Hund raus, im Auto sitzen bleiben und warten bis Hund wiederkommt, einladen, wegfahren
  • Es gibt auch Einheimische, die mit dem Hund ganz normal Gassi gehen und den Haufen einsammeln
  • Abends wird oft mit dem Auto an der Strandpromenade auf- und abgefahren
  • Viele kommen mit ihren Autos an den Strand, bleiben im Auto sitzen und gucken aufs Meer. Ist das Meer noch da?
  • Abends geht man frühestens ab 20:00 ins Restaurant

Müll

  • Italien hat ein massives Müllproblem. Überall liegt Abfall rum, volle Mülltüten, Plastikflaschen, Matratzen, Kühlschränke, Reifen
  • Strände sind oft vermüllt. Man geht dorthin, isst was und lässt Plastikgeschirr und -flaschen liegen
  • In einigen Gemeinden gibt es Mülltrennung, bei anderen öffentliche Tonnen für alles, bei anderen wieder private Tonnen. Sperrmüll oder Bauhöfe zur Müllannahme scheint es kaum zu geben, sonst würde nicht so viel Sperrmüll rumliegen
  • Die Müllabholung ist oft zu selten. Öffentliche Tonnen und Abfallkörbe quellen über und dann liegt der Dreck daneben
  • Man muss sich angewöhnen darüber hinweg zu sehen
  • In Lazium und der Toskana fiel uns auf, dass kaum Müll rumlag

Geschäfte

  • Große Supermärkte sind Conad, IperCOOP, Carrefour
  • Italienische Discounter sind EuroSpin und MD
  • Lidl ist sehr verbreitet. Er bietet viele in Deutschland bekannte Produkte, viele gute italienische Lebensmittel, Brotbackautomaten mit deutschen Brötchen
  • Penny findet man hin und wieder auch
  • Von 13:30 bis 17:00 sind alle Geschäfte geschlossen. Die Straßen sind menschenleer. Abends haben sie bis 20:00 geöffnet
  • Viele Supermärkte sind auch sonntags geöffnet, mindestens bis 13:30. Der Lidl meistens von 08:30 bis 21:30